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old grudges & nine lives - Druckversion

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Seiten: 1 2


RE: old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 17.09.2026

Eine ganze Weile kam von Antares hinter ihr nichts. Keine Spitze, kein trockenes Nachtreten, nicht einmal ein demonstratives Augenrollen, das sie zwar nicht sehen, aber beinahe hören konnte. Was war da los? Hatte das Katerchen etwa genug?
Syrena hatte den kurzen Bruch in seinem Gesicht durchaus bemerkt und wusste, dass ihre Worte getroffen hatten. Das verschaffte ihr Genugtuung; sie hatte schließlich treffen wollen. Nur gefiel ihr weniger, womit. Ausgerechnet Amy stand dadurch wieder zwischen ihnen, obwohl sie längst nicht mehr da war – und erst recht nicht bei ihm! Wenn ihn die Wahrheit störte, hätte er sich damals anders verhalten sollen!
Dass Antares’ Abscheu gegen das, was mit dem Mädchen geschehen sollte, keineswegs gespielt war, machte ihn nur lästiger. Jedes ehrliche Stück Menschlichkeit erschwerte es, ihn als vollständig charakterlosen Mistkerl anzusehen.

Als Antares nach der Angst des Mädchens griff, spürte Syrena die Magie sofort. Ihr Blick wanderte langsam zu ihm. Ausgerechnet der Mann, der ihr eben noch erklärt hatte, wie beschissen es sich anfühlte, wenn jemand einem den eigenen Willen mit Magie aufzwang. „Der Zweck heiligt bei dir offenbar die Mittel“, murmelte sie so leise, dass das Mädchen den Bezug nicht verstehen konnte.
Antares nahm ihrer Angst nur die schärfste Spitze; deshalb griff Syrena nicht ein. Wie beruhigend. Fremden Willen mit Magie zu beeinflussen war offenbar nur dann verwerflich, wenn Antares Lexington nicht derjenige war, der es tat.
Bei seinem „Was die nette Dame damit sagen möchte…“ drehte Syrena sehr langsam den Kopf zu ihm. Wenn Blicke töten könnten, hätte er wohl eines seiner neun Leben unwiderruflich verloren. Und natürlich funktionierte sein Trick. Kaum pfuschte der Kater ein bisschen an der Angst eines Kindes herum, galt das plötzlich als soziale Kompetenz. Auf sein „Bitte, nach dir“ bekam er beim Vorbeigehen daher nur: „Bild dir nichts darauf ein. Du hast geschummelt.“

Kaum hatte Syrena die Wohnung betreten, stimmte etwas nicht. Antares’ Einfluss auf das Mädchen wurde schwächer, gleichzeitig flackerte die Resonanzmünze merklich in ihrer Tasche und wurde dunkler. Auch das alte Echo ihrer eigenen Magie an ihm wurde dünner. Instinktiv tastete Syrena nach ihrer Kraft. Ein roter Faden zuckte zwischen zwei Fingern auf und starb wieder. Das wurde ja immer besser.
Ihr Blick glitt durch den Raum: Abgelebte Möbel, abblätternde Farbe, ein verdreckter Teppich, ein alter Pizzakarton auf dem Tisch. Syrena kannte Armut nicht aus ihrer Kindheit. Trotzdem stieß etwas an eine tiefe Stelle in ihrem Herzen, die sie ungern berührte: Räume, in denen Erwachsene ein Kind zu etwas gedrillt hatten, ohne Rücksicht darauf, was es brauchte, während sie ihm die Verantwortung dafür überließen, ihren Erwartungen zu entsprechen. Zuneigung, Stolz, Wärme und vor allem bedingungslose Liebe hatten daneben keinen Platz mehr gehabt. Bei ihr hatte es an nichts Materiellem gefehlt. An anderem dafür reichlich. Also verwandelte sie das unangenehme Stechen in ihrer Brust in Aufmerksamkeit und suchte mit den Augen nach Hinweisen darauf, ob hier jemand geplant gegangen oder plötzlich verschwunden war.

Die Augen des Mädchens gingen zwischen ihnen hin und her und blieben immer wieder bei Syrena hängen. Warum ausgerechnet sie? Antares sah wenigstens nicht aus, als käme er gerade aus einer Schießerei. Dann brachte das Mädchen etwas Licht ins Dunkel. „Ich heiße Maisie Bell.“ Nicht mehr zwölf. Nicht mehr irgendeine Signatur.
Und dann kam die nächste Antwort. „Meine Eltern sind bereits den zweiten Tag weg. Sie kommen aber bestimmt bald wieder.“ Zwei Tage waren schlimm genug, bewiesen aber nichts. Ashcroft beschäftigte bewaffnete Männer und Magier; den Eltern konnte genauso gut etwas zugestoßen sein. Syrena analysierte die Lage jedenfalls nüchterner als dieser offenbar völlig an einer Impulskontrollstörung leidende Kater. Dass Antares hörbar Luft einsog, störte sie noch nicht, allerdings das, was er danach einfach völlig kopflos raushaute.
„Sie haben sie hier zurückgelassen, damit man sie abholt, wie Schlachtvieh.“ Die Hexe fuhr zu ihm herum und ihr entglitt – genauso impulsiv – ein messerscharfes „Shh!“. Syrenas Augen funkelten wütend und ein bisschen war auch wieder die übliche Abscheu in ihrem Blick zu erkennen, mit dem sie Antares nun bedachte. Sie musste sich verdammt zusammenreißen, um weiterhin in gedämpfter Stimme mit diesem Kater im Porzellanladen zu sprechen.
„Wenn du ihre Angst gerade mühsam weggezaubert hast, wäre es vielleicht klug, sie nicht im nächsten Satz wieder zurückzuholen. Sonst war deine Magie wirklich für die Katz.“ Das letzte Wort kam mit einem merklich ironischen Unterton hervor. Doch danach wurde ihr Blick hart, es war schließlich wichtig, sich nun erst einmal auf die harten Fakten zu konzentrieren. Einer von ihnen musste das ja. „Das wissen wir nicht. Zwei Tage allein sind schlimm genug, aber wir wissen nicht, warum ihre Eltern fort sind. Es könnte ihnen genauso gut etwas passiert sein. Und vielleicht diskutieren wir deine charmanten Theorien nicht direkt vor ihr.“

Dann tat Syrena etwas, über das sie nicht nachdachte. Sie ging vor Maisie in die Hocke. Der Schmerz im rechten Oberschenkel schoss heiß nach oben und sie bereute es sogleich wieder; ihr Gesicht entgleiste kurz, doch sie blieb unten. Warum zur Hölle hockte sie jetzt eigentlich hier? Ihre Stimme blieb nüchtern, beinahe mechanisch. „Haben sie dir gesagt, wohin sie gehen? Haben sie sich seitdem gemeldet? Ist das schon einmal passiert?“ Maisie antwortete stockend, ihre Eltern hätten nur etwas erledigen wollen, sich seitdem nicht gemeldet und seien noch nie so lange fort gewesen.
Währenddessen kam sie zögerlich näher. Syrena begriff erst, was geschah, als sich zwei schmale Arme vorsichtig um sie legten. Ihr ganzer Körper erstarrte. Die Hände blieben nutzlos in der Luft hängen, ihre Augen blinzelten irritiert. Zu nah! Zu weich! Zu viel Vertrauen! Das Mädchen redete weiter, doch Syrena bekam nur noch Bruchstücke mit. Dann hob Maisie auch noch unbeholfen eine Hand und wischte mit dem Ärmel über das Blut unter Syrenas Nase. Was zur Hölle tat sie da?! Für einen Herzschlag fehlte selbst Syrena eine bissige Antwort und ihre Reaktion war lediglich ein erneutes, beinahe hilfloses Blinzeln.

Genau da verschwand die Magie vollständig. Die Münze erlosch und als Syrena erneut nach ihren roten Fäden griff, antwortete nichts. Vor allem aber war das Echo ihres Fluches an Antares fort. Nicht schwächer. Weg, vollkommen weg!
Syrenas Blick hob sich über Maisies Schulter zu ihm. Das Mädchen unterdrückte Magie nicht bloß. In ihrer unmittelbaren Nähe schien deren Wirkung vollständig auszusetzen. Vielleicht ohne dass Maisie überhaupt wusste, was sie tat. Damit stand Syrena angeschossen in einer fremden Wohnung und hatte im Ernstfall kaum mehr zur Verfügung als Hände, Füße und schlechte Laune. Als Maisie sie wieder losließ, richtete sie sich auffällig zügig auf und brachte auch körperlich wieder Abstand zwischen sich und Maisie. Es gefiel ihr nicht, dass sie sich so völlig magielos in ihrer Gegenwart fühlte. Es war ein wirklich unangenehmes Gefühl von… Machtlosigkeit.
Und auch die Wahrscheinlichkeit einer zweiten Umarmung war ihr entschieden zu hoch. Ihr Blick fiel auf den Pizzakarton. „Hast du heute etwas gegessen?“ Großartig. Jetzt fragte sie Kinder auch noch nach ihrem Abendessen. Maisie schüttelte den Kopf. Die Pizza war tatsächlich von vorgestern! Zwei Tage, zwölf Jahre alt und kein Essen außer den Resten von vorgestern. Warum die Eltern fort waren, änderte daran nichts. Würde sie die Mutter sehen, wäre in ihren Augen eine harte Ohrfeige angebracht. Oder irgendein wunderbarer Fluch, bei dem sie den Eiter einer immer wieder neu aufplatzenden, richtig fetten Warze im Gesicht schmecken müsste. Ganz hatte sich die Hexe noch nicht entschieden.

„Was machen wir mit ihr?“ Syrena sah Antares an, als hätte er gefragt, wo man einen gefundenen Koffer abgab. „Mit ihr? Sie ist ein Kind, kein verlorenes Gepäckstück.“ Hierlassen konnten sie Maisie ja trotzdem nicht. Ashcroft wusste von ihr, seine Leute suchten die Münze, und diese Wohnung war damit nicht sicher. Früher oder später konnten sie hier auftauchen.
Ausgerechnet jetzt musste der Kater einmal praktisch verwendbar sein. Syrena trat näher zu Antares – natürlich nur so nah, wie es unbedingt nötig war – und senkte die Stimme. „Kennst du einen Ort, an dem Ashcroft sie nicht findet?“ Dann wandte sie sich wieder Maisie zu, blieb diesmal ganz bewusst aufrecht stehen und weiterhin auf Abstand von ihr.
„Es gibt Leute, die nach dir suchen.“ Sie machte eine kurze Pause und überlegte, doch sie konnte einfach nicht kindgerecht sprechen. Sowas war albern! So wirkte es eher, als würde sie mit einem Mandanten reden, darin war sie geübt. Mit ihr hatte schließlich auch niemals jemand wie ein Kind gesprochen, als sie eins gewesen war. „Keine netten. Wir möchten verhindern, dass sie dich finden.“
Maisies Augen weiteten sich etwas. „Du kommst erst einmal an einen sicheren Ort, bis wir wissen, wo deine Eltern sind. Wir erklären dir unterwegs, was wir wissen.“ Dann sah Syrena wieder zu Antares. Ihre Magie war immer noch verstummt, die Münze ebenfalls, und ihr Fluch war in Maisies Nähe nicht einmal mehr zu spüren. „Also? Du wolltest unbedingt mitkommen. Sei nützlich.“


RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 18.09.2026

Obwohl man sich ja schon länger kannte, lernte Antares Syrena jetzt erst so richtig kennen. Und ihm war immer weniger begreiflich, was Amy an dieser Person für gut befunden hatte. Sicher, sie waren verwandt, doch das war kein Grund. Amy allerdings hatte so ein gutes Herz, dass sie selbst in der Hexe hier irgend etwas gutes sah. Und sei es nur die Art, wie sie die Nase über etwas rümpfen konnte. Er selber lernte die Person vor sich aber in der kurzen Zeit, in der sie nun zusammenarbeiten mussten, immer besser kennen. Und was er da sah, gefiel ihm überhaupt nicht. Es schien, jedes Mal, wenn Syrena nicht die Oberhand über etwas hatte, wurde sie zu einem zickigen Miststück. Oder vielleicht war sie das auch immer und ihm fiel es in diesem Zusammenhang einfach nur verstärkt auf. Sicher war, dass diese Frau jemand war, die er nicht gerne um sich hatte. Sie biss und trat, wann immer es die Gelegenheit ergab.
Als sie ihn bezüglich des Zaubers anpampte, sah der Dunkelhaarige sie einfach nur an. Es war immerhin ein Unterschied, ob man jemandem einen Fluch aufzwang, der ihn für den Rest seines Lebens begleiten würde, oder jemandem half, seine Angst zu überwinden. Aber es war klar, dass Syrena den Unterschied nicht erkannte. Antares vermutete, wenn ihr jemand aus Höflichkeit die Türe aufhielt, würde sie diesen bereits anraunzen, weil er darüber entschied, dass sie die Türe schließlich auch selbst aufmachen konnte. Und stand welche Gottheit auch immer, demjenigen bei, der es sich erlaubte, ihr im Büro einen Kaffee mitzubringen über den sie nicht selbst entscheiden konnte! Kurz gesagt, Syrena konnte man es nie Recht machen. Als er an ihr vorbeiging, meinte Antares nur leise. "Alles gut, das nächste Mal machen wir es wieder auf deine Weise. Wir prügeln die Kleine nieder und schleifen sie an ihren Haaren zurück in ihre Wohnung. Macht sicherlich einen viel besseren ersten Eindruck."

War ja nicht so, dass er sich von der Jüngeren irgend etwas sagen ließ. Zumindest nicht von derjenigen, von der Antares bisher glaubte, sie wäre hier die Gefährlichere. Doch als die Türe ins Schloss fiel, hielt er einen Moment inne. Was war hier los? Er spürte, wie er die Verbindung zu Maisie verlor, seine Magie wirkte nicht mehr. Doch der Schrecken, sie könnte nun gleich ausflippen, weil zwei Fremde vor ihr standen, von denen eine aussah, als hätte sie mit einem Gorilla gekämpft und verloren, blieb aus. Nicht nur, weil dieser erwartete Schrecken nicht eintrat. Antares fühlte etwas anderes. Nämlich ... nichts!
Dieser ständige, leichte Druck auf der Brust, der ihn zwar nicht wirklich beeinträchtigte doch stets daran erinnerte, dass es da einen Zauber gab, gegen den er so gut wie machtlos war, war weg. Verdattert horchte der Hexer in sich hinein aber es blieb dabei. Der Fluch war weg. Für einen kleinen Moment fühlte es sich komisch an, die Anwesenheit des Katers nicht mehr zu spüren. Aber dieser Moment verpuffte wahrlich sehr schnell. Er war frei von Syrena Zwängen. Unmerklich und doch sichtbar, richtete sich Antares etwas weiter auf. Seit vier Jahren, war er endlich wieder er selbst und das war wunderbar. Darüber, ob das nur vorübergehend war, denn ganz offensichtlich hatte die Zwölfjährige etwas damit zu tun, dachte er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht nach. Es fühlte sich viel zu gut an.
Allerdings sollte er sich mit Freudensprüngen noch etwas zurück halten, denn sie hatten immer noch einen Auftrag und der stand vor ihnen und erklärte gerade, das sie zwei Tage alleine gelassen wurde. Seine Freude wurde von der Wut verdrängt, was er auch hören ließ. Doch natürlich drehte sich Mutter Theresa für Arme zu ihm herum und raunzte ihn erneut an. Klar, er machte ihr Angst. So wie sie aussah war ja vollkommen in Ordnung. Aber der Dunkelhaarige hatte gelernt, es war besser, die Luft nur einmal scheppern zu lassen. Und zwar durch die keifenden Worte der Hexe.
Mit was er aber mal so gar nicht gerechnet hatte, war ihre nächste Reaktion. Brach sie jetzt zusammen oder was sollte das werden? Syrena ging in die Knie und ließ sich auch noch freiwillig von dem Mädchen umarmen? Und das lebte im Anschluss dann auch noch? Sicherlich nur, weil auch die Hexe bezüglich ihrer Magie brach lag. Sah auch aus, als würde sie sich gleich auf den Boden hier verteilen. Was zwar nicht mehr dazu beitragen konnte, die Einrichtung zu ruinieren, aber dennoch ein großer Beitrag für die Menschheit wäre.

Maisie war nichts anderes als freundlich, angesichts dessen, dass zwei Fremde sie überfallen hatten. Als sie dann auch noch mit dem Ärmle ihres ohnehin nicht passenden Pullovers das Blut aus dem Gesicht der Hexe wegwischte, die sie normalerweise mit einem Fingerschnipp umbringen könnte, glaubte Antares endgültig in ein Paralleluniversum eingetreten zu sein.
Allerdings war das Nächste, was die Person, die aussah wie Syrena, sich aber benahm wie deren Zwillingsschwester die ein Herz besaß, an ihn herantrug, dankenswerter Weise ausschlaggebend, dass Antares sicher sein konnte, es war alles beim Alten. Nur etwas anders. "Stimmt, du hast Recht." Nickte er Syrena zu. "Ich habe erst neulich einen Artikel im 'Eltern des Monats' Magazin gelesen. Sein Kind zurückzulassen ist eine neue und sehr beliebte Erziehungsmethode. Wir brauchen uns also um nichts zu sorgen." Und ja, man musste aufpassen, dass man auf dem Sarkasmus nicht auszurutschen drohte, der aus diesen Worten heraustroff. Das Einzige, mit dem sie leider Recht hatte, war die Tatsache, es war nicht klug so etwas vor Maisie zu besprechen.
Gegessen hatte sie seither auch nichts, was Antares hörbar ausatmen ließ. War sicherlich auch vollkommen okay! Aber er verkniff sich jeglichen Kommentar. Im Gegensatz zu Syrena, die sich scheinbar einen Spaß daraus machte, sämtliche Spitzen, die sie fand, gegen ihn abzuschießen. Aber was zum Geier war mit ihr los? Seit wann war sie es, die für das Kind Partei ergriff? Noch dazu, da diese ihr das Wertvollste nahm, das sie besaß und das war bei der Brünetten wahrlich nicht mal das viele Geld.
Aha! Er sollte sich nun nützlich machen. Sie war doch diejenige, die alles unter Kontrolle halten wollte. Was war ihr Plan? Er sollte etwas organisieren und dann fand man seine Leiche in Einzelteile zerlegt über die nächsten Monate verteilt an verschiedenen Orten in der Stadt? Aber gut, der Triumph, dass Miss 'Ich schnauze alles an was bei drei nicht auf den Bäumen ist', ausgerechnet seine Hilfe brauchte, war dann doch zu überragend. Erneut machte er ihr übertrieben den Diener. "Ihr Wunsch ist mir Befehl."

Im Anschluss daran wandte er sich an Maisie. "Wenn du noch etwas mitnehmen möchtest, dann pack mit deiner neuen Freundin hier alles zusammen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie lange wir wegbleiben." Hilfesuchend sah die Kleine daraufhin zu Syrena und Antares überließ es ihrem neu entdeckten Gewissen oder wie man das bei ihr nannte, was sie damit machte. Er selber drehte sich von den Beiden weg, griff in seine Hosentasche und zog ein brandneues, stylisches Klapphandy heraus. Mit einer gekonnten Bewegung aus dem Handgelenk, öffnete er es und betätigte eine Schnellwahltaste. Es dauerte nicht lange, da ging am anderen Ende der Leitung jemand ran. "Carlos? Hier ist Joshua. Bring Eleanor her." Der Andere schien etwas zu erwidern, worauf sich Antares Tonfall veränderte. Er wurde gefährlicher. "Noch ein Wort und wir haben das letzte Mal Geschäfte miteinander gemacht. - Gut, das wollte ich hören. Schreib dir die Adresse auf." Im Anschluss daran legte er auf und sah sich zu den beiden Frauen um, ob diese sich mittlerweile bis an die Zähne bewaffnet hatten um ihn gleich zu meucheln oder alles zusammen rafften, was Maisie mitnehmen möchte.
Zum Glück dauerte es auch nicht lange, dann konnte man den satten Ton eines geschmeidig schnurrenden V8 Motors hören. "Ihre Kutsche ist da, Madame." Und ja, Antares ging volles Risiko, als er die Wohnungstüre öffnete und damit beiden, auch Syrena den Vortritt gewährte. Sie vor sich zu haben, war zumindest soweit von Vorteil, dass sie ihm nicht in den Rücken fallen konnte. Die ganze Zeit jedoch konnte er sich das amüsierte Schmunzeln nicht verkneifen, denn Maisie ließ Syrenas Hand scheinbar gar nicht mehr los. Etwas, dass er der Hexe sehr wohl gönnte. Hoffentlich bekam sie Druckstellen oder besser noch, Brandblasen an den Stellen. Von zu viel Freundlichkeit! An der Straße parkte ein dunkelblauer Mustang Shelby GT500. Das er für diesen Wagen einen bekannten Filmnamen adaptierte war Antares gelinde gesagt vollkommen egal. In der illegalen Rennszene der Stadt war dieses Auto wahrlich nicht unbekannt. Während er es den Frauen überließ einzusteigen und nur den Beifahrersitz nach vorne klappte, damit Maisie hinten einteigen konnte, drückte er dem Latino, der den Wagen brachte einen Schein in die Hand und verabschiedete sich mit ein paar knappen Worten. Mögliches Gepäck wurde im Kofferraum verstaut.
Als der Hexer hinter das Lenkrad stieg und die Türe schloss, sah er über den Rückspiegel zu dem Mädchen. Syrena hatte ja die Bemutterung übernommen, da brauchte er nicht auch noch groß etwas sagen. Allerdings konnte er nicht niederringen, wie leid ihm die Kleine tat. Vermutlich Waise oder schlichtweg zurück gelassen, musste sie jetzt erstmal damit klar kommen, dass der Alltag, wie sie ihn kannte, vorbei war.
Etwas anderes fiel ihm dabei auch auf. Der magische Stein, den er an einer Kette um den Hals trug um seine eigene Magie zu verstärken und damit gegen den Fluch anzukommen, war fast weiß geworden. Nicht mehr dunkel, beinahe schwarz, wie üblich. Einen kurzen Moment sorgte Antares sich, das die Magie daraus endgültig verloren gegangen sein könnte und er seinen Chef erneut um einen Gefallen bitten musste. Doch darüber wollte er sich erst dann Gedanken machen, wenn es tatsächlich so war.

Die anschließende Fahrt durch die Stadt war rasant, wenngleich nicht auffällig oder gar riskant. Antares liebte es schlichtweg, den Wagen auszufahren. Der Weg führte über einige Umwege, um mögliche Verfolger loszuwerden in Richtung des Industriegebiets am Hafen. Dort fuhr er das Auto in eine Lagerhalle, deren Tor sich automatisch hinter ihnen schloss und er ging den Beiden eine Stahltreppe hinauf voran. Oben angekommen, schloss er die Türe zu einem Loft auf. "Geh ruhig rein, Maisie. Hier bist du sicher." Sprach er der Zwölfjährigen gut zu.


RE: old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 19.09.2026

Wie absurd war bitte sein Vergleich zwischen seiner Empathiemagie und dem Niederprügeln eines Kindes?! Gab es einen größeren Beweis für sein Schwarz-Weiß-Denken? Nicht, dass sie selbst darin völlig talentfrei gewesen wäre… Doch es ging hier gerade nicht um sie, sondern um diesen völlig doppelmoralischen Kater. „Beeindruckend. Zwischen subtiler Gefühlsmanipulation und Körperverletzung existiert in deinem Kopf tatsächlich nichts.“ Ein leises, beinahe nasales Lachen entwich Syrena. „Und da behauptest du, ich hätte Probleme mit Nuancen.“
Natürlich wusste sie, dass sein Griff nach Maisies Angst nicht dasselbe gewesen war wie ein jahrelanger Fluch oder körperliche Gewalt. Genau deshalb ging ihr seine Reaktion auf die Nerven. Antares hatte ihr eben noch eine Moralpredigt darüber gehalten, wie es sich anfühlte, wenn jemand mit Magie über einen bestimmte, und kaum passte es in seine Vorstellung von Hilfe, wurde der Grundsatz plötzlich erstaunlich dehnbar.

Maisies Einfluss hatte inzwischen sämtliche Magie im Raum erstickt. Neu war etwas anderes: Antares’ Reaktion darauf. Es war kaum mehr als ein unmerkliches Aufrichten, als hätte jemand eine Last von Antares’ Schultern genommen, die für ihn längst zum Normalzustand geworden war. Syrena betrachtete ihn eine Spur länger, als ihr lieb war. So also sah er aus, wenn ihr Fluch schwieg. Vier Jahre. Zum ersten Mal bekam diese Zeitspanne etwas Körperliches. Nicht genug für Bedauern oder gar eine Entschuldigung, aber genug, dass sie einen kurzen Augenblick innehielt. Dann richtete er sich noch ein wenig freier auf und Syrenas Mundwinkel verzog sich. Er musste ja nicht gleich aussehen, als hätte man ihm eine lebenslange Haftstrafe erlassen. Das könnte ihm so passen!

Viel interessanter war ohnehin Maisie. Eine Zwölfjährige, die bereits unbewusst aktive Magie dämpfte, Artefakte ausschaltete und sogar einen Fluch zum Verstummen brachte, war für jemanden wie Ashcroft unbezahlbar. Syrena sah sie an und zum ersten Mal ergab dieses widerwärtige Wort Potential in seiner ganzen Tragweite Sinn. Wenn Maisie irgendwann lernte, diese Fähigkeit bewusst einzusetzen, könnte sie Schutzzauber brechen, Hexen entwaffnen, magische Gefängnisse neutralisieren und Dinge lahmlegen, deren Existenz sie selbst noch gar nicht verstand. Eine wandelnde Waffe gegen Magie. Genau deshalb würde Ashcroft nicht aufgeben.
Antares’ anschließender Sarkasmus über ein angebliches „Eltern des Monats“-Magazin holte sie mit ihren Gedanken zurück. Die Hexe sah ihn kühl an. „Du kannst Sarkasmus noch so dick auftragen. Er ersetzt trotzdem keine Fakten.“ Zwei Tage allein, kein Essen, keine Nachricht – das war schlimm genug. Aber sie würde nicht aus bloßer Wut eine Vermutung zur Wahrheit erklären.

Dass Antares sie danach ansah, als hätte er gerade ein Naturwunder beobachtet, entging ihr ebenfalls nicht. Syrena wusste genau, worauf dieser Blick zielte: Auf Maisies Umarmung, ihr völliges Einfrieren und dieses absurde hilflose Blinzeln. Ihre Augen verengten sich. „Ein einziges Wort, Lexington.“ Mehr musste sie nicht sagen.
Als er daraufhin mit einem übertriebenen „Ihr Wunsch ist mir Befehl“ den Diener spielte, hob Syrena das Kinn. „Gewöhn dich schon mal daran.“ Dass er Maisie im nächsten Atemzug ausgerechnet mit ihrer „neuen Freundin“ losschickte, brachte ihm erst einen Blick und dann ein langsames Augenrollen ein. Maisie sah allerdings bereits hilfesuchend zu ihr. Wunderbar! Jetzt hatte sie offenbar jemanden adoptiert, ohne gefragt worden zu sein.
Syrena folgte Maisie in das kleine Zimmer und stand dort zunächst ausgesprochen nutzlos zwischen Dingen, die eindeutig einem zwölfjährigen Mädchen gehörten. Was packte man ein, wenn niemand wusste, wie lange man fortblieb? Also organisierte sie, vollkommen nüchtern und ohne eine Gefühlsregung in ihrem Gesicht. „Kleidung, Zahnbürste. Medikamente, falls du welche brauchst. Etwas, das dir wichtig ist.“ Während Maisie Sachen zusammensuchte, beobachtete Syrena sich beinahe von außen. Stellte sie hier gerade Fluchtgepäck für Kinder zusammen?!
Maisie zog schließlich ein altes, fleckiges und zerschlissenes Kuschel-Faultier hervor. Das Fell war stumpf, eine Naht am Arm notdürftig repariert. Das Ding sah aus, als hätte es mehr schlechte als gute Jahre erlebt. Maisie drückte es kurz an sich, dann zögerte sie. „Das brauche ich eigentlich nicht.“, murmelte sie. Syrena sah erst das Faultier, dann sie an – und seufzte. Und so emotional abgestumpft die Hexe auch war, so merkte sie, dass es Maisie etwas zu bedeuten schien. „Nimm es mit“, lautete daher ihr nüchternes Urteil. Nützlich und wichtig waren schließlich zwei vollkommen verschiedene Dinge.

Aus dem anderen Raum hörte sie Antares telefonieren. „Carlos? Hier ist Joshua.“ Syrenas Augenbraue hob sich augenblicklich und sie horchte noch einmal etwas bewusster. Joshua? Das war interessant…
Als Antares’ Ton sich plötzlich veränderte und aus seinem üblichen Sarkasmus eine gefährliche Schärfe wurde, hörte sie noch genauer hin. „Noch ein Wort und wir haben das letzte Mal Geschäfte miteinander gemacht.“ Geschäfte. Offenbar mixte der Kater nicht nur Cocktails, was? Wie konnte es auch anders sein? Innerlich lachte die Hexe schallend auf. Was genau trieb Antares Lexington eigentlich noch, wenn er gerade keine Drinks servierte oder sich auf vier Pfoten durch Hinterhöfe bewegte?
Wenig später hörte sie einen satten Motor. Draußen wartete ein dunkelblauer Shelby GT500, und Syrena blieb einen Moment davorstehen. Laut, eng, auffällig – praktisch das Gegenteil der geräumigen, diskreten Limousinen, die sie bevorzugte.
„Eleanor? Du gibst deinem Auto Frauennamen? Und das mit einer Rückbank, die den Namen kaum verdient?“ Ihr Blick wanderte zu Antares. Was hatte sie eigentlich anderes von ihm erwartet?
Maisie hielt währenddessen noch immer ihre Hand und klebte daran wie eine Klette. Syrenas erster Impuls war derselbe wie zuvor: Lösen! Abstand! Luft zum Atmen! Stattdessen ließ sie ihre Finger, wo sie waren, wenngleich es sie eine große Überwindung kostete. Maisie brauchte offenbar genau diese alberne Form von Sicherheit. Großartig. Jetzt hielt sie auch noch Händchen. Als sie Antares’ deutlich zu amüsiertes Schmunzeln bemerkte, drehte sie nur den Kopf. „Wehe...“

Im Wagen wurde es nicht besser. Maisie saß hinten, Antares am Steuer und Syrena musste ausgerechnet neben ihm auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Der Innenraum war eng genug, dass Maisies Nullfeld weiterhin wirkte. Keine Telekinese, keine Magie, nichts. Antares dagegen wirkte geradezu unerträglich entspannt. Zum ersten Mal seit vier Jahren fuhr er offenbar ohne den Druck ihres Fluches, während Syrena angeschossen, magielos und vollständig auf seine Fahrkünste angewiesen war. Ein Albtraum mit Ledersitzen.
Ihr Blick fiel irgendwann auf den Stein an seiner Kette. Er war fast weiß und normalerweise hatte sie die fremde Magie darin deutlich gespürt, jene Kraft, die ihm half, ihrem Fluch zu widerstehen. Jetzt schien auch sie beinahe verschwunden. Damit war zumindest klar, dass Maisies Einfluss nicht bei aktiven Zaubern endete, sondern auch gebundene Magie und Artefakte erfasste.

Antares fuhr schnell, aber nicht dumm. Die Umwege waren zu gezielt, die Spurwechsel zu bewusst, als dass es bloß um Spaß gegangen wäre. Er prüfte, ob ihnen jemand folgte. Syrena bemerkte es und hasste, dass sie schon wieder etwas anerkennen musste. Zu Syrenas Ärger lieferte seine Fahrweise ihr nicht einmal einen vernünftigen Anlass, ihn dafür zu verspotten. Warum konnte dieser Mann nicht wenigstens in einer einzigen Sache vollständig unbrauchbar sein?
Als der Shelby schließlich in eine Lagerhalle im Industriegebiet einbog und das Tor sich hinter ihnen schloss, sah Syrena sich langsam um. Beton, Stahl, abgeschirmte Zufahrt. „Natürlich besitzt du einen geheimen Unterschlupf in einer Lagerhalle für deine krummen Nebengeschäfte.“ Der seltsame Telefonanruf fiel ihr wieder ein. Sie schüttelte leicht den Kopf. „Warum überrascht mich das nicht einmal?“
Die Stahltreppe hinauf erwartete Syrena ein dunkles, schäbiges Loch. Stattdessen öffnete Antares die Tür zu einem erstaunlich geschmackvollen Loft. Backstein, dunkles Leder, Metall, große Fenster, eine vernünftige Küche. Syrena blieb kurz im Eingang stehen. Bei einer Frau in seinem Leben und dieser Wohnung hatte er immerhin ausnahmsweise mal Geschmack bewiesen.
Dann fiel ihr das Bild im Flur auf. GOOD PEOPLE. GOOD PLACES. Syrena las die Worte, sah zum Bild und anschließend zu Antares. „Ist das Satire?“ Sie wartete nicht einmal auf seine Antwort und ihr Gesichtsausdruck troff vor Zynismus. „Ich frage nur wegen des offensichtlichen Widerspruchs zwischen Einrichtung und Bewohner.“
Als Antares Maisie versicherte, sie sei hier sicher, wurde Syrena wieder ernst. „Wer weiß, dass das hier dir gehört?“ Ihr Blick wanderte bereits zu Fenstern und Eingang. Magische Schutzmaßnahmen konnten sie mit Maisie ohnehin vergessen. Entscheidend war, wie verborgen dieser Ort tatsächlich war.

Maisie hatte sich inzwischen auf das Sofa gesetzt, eine Decke um sich gezogen und das zerschlissene Faultier an die Brust gedrückt. Das Bild wirkte absurd friedlich. Syrena marschierte dagegen ohne jede Hemmung in Antares’ Küche und öffnete seinen Kühlschrank.
Sie lehnte sich leicht an die offene Tür und verlagerte ihr Gewicht auf ihr unverletztes Bein. Bier, Soßen, irgendetwas Undefinierbares in einem Einmachglas, was sie nicht weiter erforschen wollte. Sie starrte einen Moment hinein, bevor sie ihn mit Schwung wieder schloss. „Natürlich.“ Dann entdeckte sie einen Lieferflyer am Kühlschrank und zog ihn heraus. GOLDEN PAGODA – Chinese Kitchen & Delivery.
Sie hielt Antares den Zettel hin. „Ruf beim Golden Pagoda an. Bestell genug, dass sie tatsächlich satt wird.“ Es war ein Befehl, keine Bitte. Niemals, wirklich niemals würde sie ihn um etwas bitten! Ihr Blick glitt noch einmal demonstrativ in den Kühlschrank. „Hier drin findet sich jedenfalls nichts, was ich einem Kind freiwillig geben würde.“

Während Antares sich darum kümmern durfte, zog Syrena endlich ihre ruinierte Lederjacke aus. Der Anblick des zerschossenen, blutverschmierten Versace-Leders tat beinahe körperlich weh. Einen Moment strich ihr Blick über die beschädigte Stelle, fast wehmütig. Dann legte sie das gute Stück vollkommen selbstverständlich auf Antares’ Ledersofa. Keine Unterlage, keine Rücksicht. Wenn sein Sofa Blut abbekam, konnte er das als Kollateralschaden verbuchen. Und wenn er seine Wohnung für seine Geschäfte nutzte, vielleicht sogar von der Steuer absetzen.
Nachdem sie ihre Jacke ausgezogen hatte, konnte man zum ersten Mal erkennen, wie tief die Schusswunde an ihrem Arm war. Maisies Gesicht verzog sich schmerzhaft, als sie dies erblickte. „Tut… tut es sehr weh Syrena?“ In ihrer Stimme schwang große Besorgnis mit und sie drückte in tröstender Geste erneut ihr Kuscheltier an sich. Doch dann überlegte sie und hielt es ihr schließlich hin. „Du kannst ihn haben, Emile tröstet mich auch immer, wenn mir was weh tut.“
Die Hexe sah einige Zeit auf das Faultier, was sie freundlich lächelnd anschaute, als könnte es kein Wässerchen trüben. Die Sekunden kamen ihr dabei wie Minuten vor. Dann schluckte sie und blinzelte kurz. „Nein… nein danke.“ Ihre Stimme war merkwürdig brüchig, ihre Mimik wurde einen Tacken weicher. Verdammte Scheiße, was war das?! Sie räusperte sich so hart, dass es in ihrer Kehle schmerzte. Dann wurde ihr Gesicht wieder unbeweglich und sie zuckte mit den Schultern. „Kollateralschaden, sowas passiert.“ Die Mauer war beruhigend, oh wie beruhigend sie gerade wieder war.
Dann ging sie den Flur entlang, in dessen Richtung sie das Badezimmer vermutete und sah Antares nicht mehr an. „Ich brauche was zum Desinfizieren und Verbinden.“ Ihre Stimme war wieder sachlich. Unter Stoff und getrocknetem Blut steckten noch immer zwei Kugeln in ihr, und sobald sie weit genug von Maisie entfernt war, würde sie sich selbst darum kümmern. Antares musste sich bloß nicht einbilden, dass sie ihn dafür brauchte. Syrena sah sich kurz um, jedoch nur soweit, dass sie seine Schuhe auf dem Boden fixieren konnte. „Dein Bad ist wo?“


RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 19.09.2026

Mittlerweile kam Syrena ihm vor, wie diese kleine Äffchen, die man mit einem Aufziehmechanismus am Rücken aufzog und diese dann für eine bestimmte Zeit und möglichst nervtötend in einem schnellen Rhythmus mit zwei kleinen Becken aufeinander schlugen. Bei diesem sogenannten Spielzeug gab es keine andere Option, als es zu nehmen und mit voller Wucht gegen die Wand zu werfen. Der Wunsch, dies auch bei der Hexe zu machen, wurde bei Antares beinahe übermächtig. Und ja, es war gerade alles andere als angenehm, dass er nicht mehr über seine Magie verfügte. Er wollte sie auch wieder zurück. Doch im Gegensatz zu der Jüngeren, war sie nicht sein Lebensinhalt. Er konnte durchaus auch mal für kurze Zeit darauf verzichten, wenn dies gleichzeitig bedeutete, auch den Fluch los zu werden. Er fühlte sich so viel freier und hätte er auch nur eine Ahnung davon gehabt, dass Syrena ihn gerade mit jemandem verglich, der das Gefühl hatte der Todesstrafe entronnen war, würde dies erschreckenderweise dazu führen, dass er ihr zustimmen hätte müssen. Auch hier draußen atmete er die stickige Stadtluft fiel tiefer ein als sonst. Sein Gang war nicht übertrieben und doch aufrechter. Die Schulter wieder nach hinten gerichtet und den Kopf erhoben. Nicht, dass er die restliche Zeit wie ein verkrüppelter Bruder von Quasimodo durch die Straßen von Los Angeles lief. Er ließ sich auch sonst den Fluch kaum anmerken, solange er genügend Kraft und magische Energie hatte, sich dagegen zu wehren. Doch alleine die Tatsache, dass er sich immer wieder zurückziehen musste und in die Einsamkeit fliehen, hatte ihn verändert. Alleine zu sein, gab einem viel Zeit um nachzudenken. Darüber was geschehen war. Hätte er Amy anderweitig retten können? Das seine Großmutter ihre Drohung wahr gemacht hätte, daran bestand kein Zweifel. Sie hätte Amy etwas angetan. Und dann wäre sein Schuld daran vermutlich noch größer als sie es jetzt schon war. Dann hätte er nämlich egoistisch gehandelt. Das was Syrena für eine solche Tat hielt, war genau das Gegenteil gewesen. War es durchdacht und von langer Hand geplant? Mitnichten. Doch noch immer war er der festen Überzeugung, es war die beste Lösung. Die Einzige, die wirkte. Eine, die Amys Leben hätte retten sollen.

Doch nun zurück zu der Situation, in der Syrena nichts anderes tat, als natürlich wieder an seinem Auto herum zu mäkeln. Natürlich gefiel es ihr nicht. Kein Auto der Welt hätte Madame zufrieden gestellt. Zu groß, zu klein, zu unauffällig, zu auffällig und wenn am Ende schlichtweg die Farbe nicht stimmte. Aber, ähnlich wie bei diesen aufziehbaren Musikäffchen gab auch Antares die Hoffnung noch nicht ganz auf, dass selbst die Hexe irgendwann mal verstummte. Er selber ließ sich von ihr allerdings auch nicht den Mund verbieten. Zweimal hatte sie es ihm nun schon angedroht. Einmal drinnen, als das Mädchen sie umarmte und jetzt gerade wieder, als diese wie eine Klette an Syrens Hand hing und er das schlichtweg amüsant fand. Noch erwiderte er nichts, doch das sparte sich der Dunkelhaarige alles auf und würde es bei passender Gelegenheit einmal anbringen. "Liebes, ich brauche das Auto nicht wegen der Rückbank. Da weiß ich ganz andere Plätze an denen ich Frauen verführen kann." Mit einer hochgezogenen Augenbraue, die wohl mehr ausdrücken sollte, als seine Worte, sah er Syrena an. Hoffnungen sollte sie sich aber nicht machen, denn wenn sie die letzte Frau auf Erden war, würde die Menschheit aussterben. Näher ging er vor den Ohren der unschuldigen Zwölfjährigen nun aber nicht auf das Thema ein, sondern setzte sich selbst hinters Steuer. Die Tasche mit den Klamotten und dem restlichen Zeug, welches Maisie aus ihrer Wohnung rettete, lag hinten im Kofferraum. Ob sie die Wohnung nun für immer verließ? Madame Superschlau neben ihm behauptete ja immer noch, das wäre kein Grund sich darüber Gedanken zu machen. Er selber hatte leider bereits weitaus schlechtere Erfahrungen gemacht. Im Gegensatz zu Syrena war er auch schon länger an der Sache mit den verschwundenen Kindern dran. Und die Eltern, die angeblich nur eine ausgedehnte Shoppingtour machten, traten hier nicht zum ersten Mal auf. In manchen Fällen wollten die Eltern die Kinder nicht rausrücken, diese fanden dann ein sehr endgültiges Ende. Andere, wie vielleicht auch die von Maisie, gaben den Weg schlichtweg frei und bauten sich mit dem Geld ein neues Leben auf. Diesen Exemplaren wünschte Antares stets die Pest an den Hals. Da es aber unmöglich war mit Syrena eine vernünftige Unterhaltung zu führen, unterließ er es und konzentrierte sich stattdessen auf den Verkehr. Also die anderen Autos.

Das Schweigen von der Beifahrerseite war verdächtig. Heckte sie etwas aus oder tat sie ihm sogar den Gefallen und war in der Zwischenzeit verblutet? Leider wurde Antares enttäuscht, als er einen kurzen Seitenblick zu ihr warf. Stattdessen bemerkte er ihren Blick auf seine Halskette. Das hätte sie jetzt nicht unbedingt sehen müssen, doch da es ihm selbst erst bei einem Blick in den Rückspielgel auffiel, ergab sich keine Gelegenheit die Kette zu verbergen. "Mach dir keine großen Hoffnungen." Ließ er sie wissen. Konnte ja nicht angehen, dass sie glaubte, erneut über ihn gesiegt zu haben.
Zum Glück für alle Beteiligten setzte ihr nervtötendes Gemaule wieder ein, als sie in die Lagerhalle fuhren und sich das Tor schloss. "Weil du allwissend bist und mich vollkommen durchschaust?" Gab es einen Hieb zurück, der hoffentlich dafür sorgte, dass sie die Klappe hielt. Denn eigentlich hätte sie mit dem Packen von Maisies Tasche beschäftigt sein sollen und nicht sein Telefonat mithören. Daher ging er auf die Erwähnung seiner Nebengeschäfte gar nicht ein. Ging sie schließlich einen Dreck an, mit was er sich einen Großteil seines Geldes verdiente. Klar zahlte sein Chef nicht schlecht, doch alleine auf diesen angewiesen zu sein, kam für den Hexer auch nicht in Frage.
Doch natürlich hielt die Funkstille genauso lange an wie es dauerte, die Treppe nach oben zu gehen und die Wohnungstüre zu öffnen. Als würde sie mit dem Übertreten der Schwelle eine Sprengfalle auslösen, sah sich Syrena erst misstrauisch um. Was hatte sie erwartet? Eine Hundehütte? Als sie dann den Spruch auf dem Bild in Eingangsbereich las, wollte sie ihn schon wieder foppen, doch der Dunkelhaarige lächelte nur süffisant. "Das ist ein Fluch, damit du niemals meine Wohnung ohne Erlaubnis betreten kannst." Im Anschluss daran ließ er Maise den Vortritt und zum ersten Mal, stellte Syrena eine Frage an ihn, die es verdiente, das man darüber nachdachte. "Es gibt ein paar Leute." Ließ er sie daher ehrlich wissen. "Aber niemand kommt ohne Einladung hierher. Das die Magie momentan nicht funktioniert weiß keiner. Und so manche, die es bereits früher versuchten, kamen danach kein zweites Mal. Außerdem..." Er ließ der Dame den Vortritt und schloss nachdem sie endlich in seiner Wohnung stand, die Türe. Scheuchte sie gleich darauf aber noch ein paar Schritte zur Seite und öffnete eine Türe, hinter der man eine Garderobe oder dergleichen vermuten konnte. Stattdessen zeigte ein beleuchteter Innenraum an einem dafür extra angefertigten Regal, alle möglichen Arten von Schusswaffen. "Bin ich für den Notfall auch ausgerüstet." Ein weiterer Beweis dafür, dass sich Antares nicht alleine auf seine Magie verließ. Er liebte sie, schließlich war sie ein Teil von ihm als Hexer. Aber manche Gesellen wollten mit handfesteren Dingen überzeugt werden.
Er schloss die Türe wieder, ließ Syrena einfach stehen und ging in den Wohnbereich des Lofts. Mit der Schulter gegen den Türstock gelehnt und die Arme vor der Brust verschränkt betrachtete er das Mädchen, welches mit ihrem Stofftier im Arm so viel Jünger aussah. Sie tat ihm schrecklich leid. Niemand sollte so etwas durchmachen müssen. Es waren auch Momente wie dieser, in denen sich der Dunkelhaarige so oft fragte, was Amy und er doch für ein Team hätten werden können. Sie zwei gegen die Ungerechtigkeit dieser Stadt. Er war sich sicher, seine Freundin hätte die unschuldigen Kinder mit Feuereifer befreien wollen. Aber statt einer liebevollen Frau an seiner Seite, hatte er nur diese Viper, die ihm in dem Moment nun wieder etwas in die Hand drückte und Befehle erteilte.

"Hier drinnen ist auch nichts, was für ein Kind bestimmt ist." Gab er als Gegenargument auf ihre Behauptung. Bloß gut, dass die Tage keine Lieferung bestellt war, sonst hätte Madame noch ganz andere Dinge im Kühlschrank gesehen. Den Flyer in der Hand haltend, sah er ungeniert zu, als Syrena ihre Jacke auszog. War ja nicht so, dass sie zumindest äußerlich abstoßend anzusehen wäre. Wenn man sich den ganzen Rest wegdenkt und wahrlich nichts weiter übrig ließ als den Anblick, naja... Aber es ging einfach nicht, den Rest zu ignorieren. Als Maisie fragte ob es wehtat, musste sich der Ältere auf die Zunge beißen um nicht zu erwidern, dass jemand, der kein Herz besaß, keine Schmerzen empfinden konnte. Doch das würde das Mädchen nur verwirren und ihr zuliebe ließ er den bissigen Kommentar bleiben. Er schnaubte nur amüsiert, als Syrena das Stofftier angeboten wurde, zog sein Handy aus der Hosentasche und rief im Club ab. Mit wenigen Sätzen organisierte er eine Vertretung für heute Abend, denn er würde diese Wohnung ganz sicherlich nicht unbeaufsichtigt lassen. Dann folgte die Bestellung bei dem Lieferservice. Wobei er nicht nachfragte, was Syrena haben wollte, er bestellte wirklich nur Nudeln für die Maise und etwas für sich selbst. Allerdings könnte es sein, dass er sich bei der Menge, die ein zwölfjähriges Kind essen konnte, etwas verschätzte. Er legte gerade auf, als Syrena auf ihn zukam. Das Miststück konnte ihm nicht mal in die Augen sehen. Von einer undefinierbaren Wut gebackt, hob er seine Hand und legte ihr seine Finger ums Kinn um sie so zu zwingen, ihn anzusehen. "Damals konntest du mir auch ins Gesicht sehen, als du den Fluch ausgesprochen hast. Und jetzt, wenn du meine Hilfe brauchst, hast du nicht das Rückgrat dazu?" Er hielt ihrem Blick stand und ja, es war die Situation ausnutzend, dass sie ihn in der Gegenwart des Mädchens nicht sofort in Stücke reißen konnte. Aber irgend jemand musste dieser verzogenen Göre auch mal die Grenzen aufzeigen. Und sei es nur dadurch, dass er sie gegen ihren Willen zwang, ihn anzusehen. "Die Kanalisation in die du hingehörst, ist die Straße runter und Richtung Meer." Er ließ ihr Kinn mit einem Ruck los. "Die Türe links. Und im Badezimmerschrank ist ein erste Hilfe Kasten. Der wird es tun."
Damit wandte er sich von ihr ab und ging zu Maisie ins Wohnzimmer. Sie konnte von ihrer Position vom Sofa aus nichts gesehen haben und so fragte Antares sie nun in vollkommen veränderten, freundlichen Tonfall ob sie Durst hatte.
Um sich die Zeit zu vertreiben, bis das Essen kam, zeigte er der Kleinen das Schlafzimmer. Erlaubte ihr dort ihre Sachen auszupacken und Antares nahm zwei Wolldecken aus einer Truhe an der Seite von der sie sich aussuchen konnte, auf welche sie sich drauflegen wollte und welche sie zum Zudecken nahm. Auch für ihn war dies eine vollkommen neue Situation. Bisher hatte er die Kinder nur vom Ort des Geschehens weggelockt. Hin zu einem Ort, an dem er mit Anderen zusammen eine Art Auffangstation gründete. Wohin die Kids vermittelt wurden, betraf ihn nicht mehr. Absichtlich hatte Antares bisher diese Grenze für sich gezogen um emotional nicht noch weiter involviert zu werden. Nun jedoch stand er mit einer davon in seinem Schlafzimmer.
Zurück im Wohnzimmer, krabbelte Maisie wieder mit ihrem Kuscheltier auf das Sofa, Antares brachte ihr ein Glas Wasser und packte gerade ein Kartenspiel aus um mit ihr eine kindliche Version davon zu spielen, als es an der Türe klingelte. Maisie war so darauf konzentriert, ihre Karten in der Hand zu verteilen, dass Antares ihr ein Lächeln schenkte und die Lieferung an der Türe entgegen nahm.
"So, bitteschön. Das Abendessen ist angerichtet." Meinte er vergnügt, als er zurück kam und die Zwölfjährige legte sehr bedacht ihre Karten auf den Tisch. Natürlich mit der Rückseite nach oben, damit man nicht sehen konnte, welchen Wert diese hatten. "Ich glaube du hast später keine Chance gegen mich." "So? Aber da könntest du schon Recht haben, ich habe schon lange nicht mehr gegen jemanden gespielt, die so gut ihre Karten in der Hand mischen konnte." Er hörte sich so vollkommen anders an, als er je in Syrenas Gegenwart sprach. Freundlich, vergnügt, lustig. Und er wurde damit belohnt, dass Maisie kurz gluckste. Er schob ihr die drei Nudelboxen entgegen und das Mädchen bekam große Augen. "Wer soll das alles essen?" Antares setzte sich in den Sessel und hatte ebenfalls eine Box in der Hand allerdings nur mit gebratenen Hähnchenstücken. Wer brauchte schon Nudel? Er fischte gerade mit den Stäbchen eines davon heraus. "Na du. Hast du keinen Hunger?"
Da kam Syrena zurück und Maisie ganzes Gesicht schien aufzuleuchten. "Du musst mir beim essen helfen." Freudestrahlend hielt sie der Hexe das übrige Paar Essstäbchen entgegen.


RE: old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 20.09.2026

Antares’ Erklärung, wofür er die Rückbank seines Wagens angeblich nicht brauchte, bekam nur einen langen, trockenen Blick. „Es wäre immerhin nicht abwegig, dass du bei horizontalen Aktivitäten genauso einfallslos bist wie bei deinen Sprüchen: Groß angekündigt, maßlos überschätzt, deutlich unbeeindruckender im Einsatz, und erschreckend schnell vorbei.“ Ihr Mundwinkel hob sich kaum und die Verachtung war ihr ins Gesicht geschrieben. Und Amy hatte sich ausgerechnet davon einmal beeindrucken lassen! Liebe musste tatsächlich blind machen – anders ließ sich dieser Aussetzer ihres Geschmacks kaum erklären.
Als Antares wegen seines beinahe weißen Talismans nachlegte, sah Syrena ihn beinahe irritiert an. „Keine Sorge. Deine Schmuckprobleme interessieren mich nur, weil sie Maisies Fähigkeit bestätigen.“ Was dachte er denn? Dass sie seine verzweifelten Versuche, ihren Fluch ab zu schmälern, gerade juckt?! Wie immer nahm er sich viel zu wichtig. „Offenbar schaltet sie sogar deine magischen Stützräder aus.“

Seine Gegenfrage wegen ihrer angeblichen Allwissenheit entlockte ihr ein spöttisches Lächeln. „Damit hat es tatsächlich mal nichts zu tun. Mir reicht, dass du es nicht dementierst, Katerchen.“ Joshua, Carlos. Geschäfte, Lagerhalle.
Als er den Spruch im Eingangsbereich zum angeblichen Fluch erklärte, senkte Syrena demonstrativ den Blick auf ihre Füße, die längst in seiner Wohnung standen. „Funktioniert ja hervorragend.“
Wie er auf ihre Sicherheitsfrage reagierte, nahm sie dagegen ausnahmsweise mal ernst. Einige Leute kannten die Wohnung, niemand kam ohne Einladung, niemand wusste von Maisies Fähigkeit und frühere ungebetene Besucher hatten offenbar verstanden, weshalb sie nicht wiederkommen sollten. Für heute Nacht genügte das.
Hinter der unscheinbaren Tür, die er nun öffnete, verbarg sich statt einer Garderobe ein Waffenarsenal, welches die Hexe nähertreten ließ. Die Schusswaffen überging sie beinahe vollständig; ihre Aufmerksamkeit galt dagegen mehreren, sauber ausbalancierten Wurfmessern. „Sieh an.“ Ihr Kopf neigte sich leicht. „Eine vernünftige Entscheidung von dir. Ich bin erschüttert.“ Eigentlich machte sich Sy nichts aus solchen Waffen – ihre Magie war für sie dabei wesentlich zuverlässiger als irgendwelche fremden Objekte. Doch Wurfmesser ließen sich mit herrlicher, telekinetischer Präzision in vorwitzige Männerbrüste rammen. Ein wissendes, siegessicheres Schmunzeln legte sich auf ihr Gesicht, als sie an ihren letzten Fal zurückdachte, bei dem sie sie eingesetzt hatte. Ein bisschen stolz auf sich war sie gewesen, schließlich hatte sie ihrer Kreativität dabei freien Lauf gelassen und noch ein paar herrliche Muster in die verletzte Haut geritzt.

Offenbar hatte er einen Decknamen, zwielichtige Kontakte, Waffen und einen schützenden Rückzugsort. Was genau tat Lexington eigentlich, wenn er nicht hinter einer Bar stand? Und hatte Amy davon gewusst?
Syrenas Augen wurden schmaler. „Ich frag mich, ob Amy dich immer noch so angehimmelt hätte, wenn sie gewusst hätte, was du hier tust“, murmelte sie. Hinter ihr kam prompt eine kleine Stimme. „Wer… wer ist Amy?“ Syrena sah zu Maisie, dann mit ernstem Gesicht zu Antares und gab ihm ein kleines Nicken. „Erzähl ihr doch beim Essen, wer Amy war.“ Die Betonung saß genau dort, wo sie hin sollte. Amy war Vergangenheit – wegen ihm! Mal sehen, ob das Katerchen auch dann noch so große Töne spuckte, wenn sein Publikum zwölf Jahre alt war und sich hinter den großen Augen eine gefährliche Gutgläubigkeit schlummerte.
Auf seine Feststellung, dass hier ohnehin nichts für Kinder bestimmt sei, ließ Syrena den Blick über Loft, Waffenversteck und Küche gleiten. „Das war bereits offensichtlich.“ Dass er seine Schicht ohne jedes Theater für Maisie absagte, registrierte Syrena trotzdem.

Dass er ihr beim Ausziehen der Jacke zusah, bemerkte Syrena nur am Rand. Ihre ruinierte Versace-Jacke interessierte sie deutlich mehr als Lexingtons Meinung über ihren Körper. Hassen konnte er sie offenbar problemlos. Blind war er deshalb trotzdem nicht.
Genau in dem Moment, in dem sich die Hexe in ihrem wohl verletzlichsten Zustand des gesamten Abends befand, legten sich seine Finger um ihr Kinn. Ihre Reaktion war unmittelbar: Hitze schoss ihr den Hals hinauf, färbte die Haut über ihrem Schlüsselbein rötlich, ihr Atem wurde schneller und die Pupillen weiteten sich. Mitten darin flammte je ein winziger roter Punkt auf. Ihre Magie wollte auf die überkochende Wut antworten – doch Maisie erstickte sie vollständig. Syrenas Hand schloss sich hart um Antares’ Handgelenk. Die Nägel gruben sich in seine Haut und inbrünstig wünschte die Hexe, sie mögen seine Haut durchschneiden. Eine unmissverständliche Grenze, die sie ihm damit setzte.
„Damals konntest du mir auch ins Gesicht sehen, als du den Fluch ausgesprochen hast. Und jetzt, wenn du meine Hilfe brauchst, hast du nicht das Rückgrat dazu?“
Blinder Zorn zog sich heiß durch Syrenas Körper. Er nahm ausgerechnet den Moment, in dem Maisies Sorge sie aus dem Tritt gebracht hatte, und machte daraus Feigheit. „Bilde dir bloß nicht ein, dass Wegsehen bei dir irgendetwas mit Scham zu tun hätte.“ Ihre Stimme war leise und eiskalt, trotz des leicht verwaschenen Klangs durch die Maulsperre, die er ihr in dem Moment verpassen wollte. Die roten Punkte glimmten noch immer.
„Damals habe ich dir sehr bewusst ins Gesicht gesehen, Lexington. Ich wollte, dass du in dem Moment, in dem der Fluch dich trifft, keinen einzigen Zweifel daran hast, wer ihn über dich gebracht hat.“ Die letzten Worte zischte sie beinahe. Danach erschien ein kleines, grausam zufriedenes Grinsen auf ihren Lippen. Er hatte gewusst, dass es ihre Magie gewesen war. Ihre Entscheidung, ihre Strafe für ihn.
Als er sie losließ, rührte sich Syrena sich kein bisschen und lachte einmal trocken auf. „Du hältst mir seit einer Stunde Vorträge darüber, anderen den eigenen Willen aufzuzwingen, und greifst mir ins Gesicht, weil dir nicht gefällt, wohin ich schaue.“ Sie trat einen Schritt auf ihn zu, bis nur noch wenige Zentimeter zwischen ihnen lagen. Sie konnte sein markantes Parfum riechen, den Schweiß, mit dem es sich bereits vermischt hatte. Dies machte ihren Adrenalinspiegel nicht unbedingt niedriger.
„Und das auch nur, weil du genau weißt, dass ich dich gerade nicht zerquetschen kann.“ Ihr Blick musterte ihn langsam von oben nach unten, voller Verachtung. Ohne Maisie hätte sie längst anders reagiert. Dass ausgerechnet dieses Kind sie zurückhielt, machte ihre Wut nur schlimmer.

Auf den Kanalisation-Spruch bekam Antares beim Weggehen lediglich ein „Originell.“ Zwei Schritte später hielt Syrena kurz inne und drehte ihren Kopf lediglich leicht, so dass er nur einen Teil ihres Gesichts erhaschen konnte. „Leg noch einmal Hand an mich, Lexington, und wir führen dieses Gespräch ohne Maisie zu Ende.“ Kein Spott, nur eine Warnung.
Mit jedem Schritt Richtung Bad kehrte das vertraute Kribbeln unter ihrer Haut zurück. Ein dünner roter Faden zuckte über ihre Finger, brach ab und erschien erneut. Syrena schloss kurz die Augen. Ihre Hand begann zu zittern. Wut, Schmerz, Adrenalin – und eine Erleichterung, deren Ausmaß sie erst jetzt begriff. Sie stützte sich am Waschbecken ab, atmete tief ein und langsam wieder aus. Noch einmal. Beim dritten Atemzug stabilisierte sich das Rot. Maisies Nullfeld hatte ihr weit mehr zugesetzt, als sie draußen gezeigt hatte.
Dann sah sie langsam hoch in den Spiegel. Schmutz, getrocknetes Blut unter der Nase, ungeordnete Haare, Verletzungen. Und noch immer zu viel von Antares’ Griff in ihrem Gesicht. Syrena betrachtete sich, bis ihr Atem ruhiger ging. Zuerst wusch sie sich gründlich die Hände. Danach nahm sie ein weißes Handtuch, feuchtete es an und säuberte vorsichtig ihr Gesicht. Das Weiß des Tuches verfärbte sich langsam grau und rot. Besonders sorgfältig entfernte sie das Blut unter ihrer Nase. Anschließend strich sie mit den Fingerspitzen über die gereinigten Hautränder und verblendete das restliche Make-up. Dann drehte sie langsam ihren Kopf nach links, dann nach rechts. Ein prüfender Blick begutachtete jede mögliche Unebenheit, jeden möglichen Makel. Wenigstens sah sie jetzt nicht mehr aus, als hätte sie unter einer Brücke geschlafen.

Dann kam der linke Oberarm. Das Blut wurde deutlich schneller fortgewischt als im Gesicht. Der Erste-Hilfe-Kasten geöffnet, Desinfektionsmittel und Verbandszeug bereitgelegt. Syrena atmete noch einmal tief ein und aus und hob ihre rechte Hand. Rote Fäden krochen langsam von ihren Fingern unter die verletzte Haut. Der Schmerz war sofort tief und heiß; ein unwillkürliches Stöhnen entwich ihr, ehe sie die Lippen hart aufeinanderpresste. Auf gar keinen Fall bekam Lexington davon noch eine Zugabe! Millimeter für Millimeter fasste ihre Magie das Projektil und zog es heraus. Als die Kugel ins Waschbecken fiel, brauchte sie einige Atemzüge, welche ihr stoßweise entwichen.
Der rechte Oberschenkel war schlimmer. Syrena stützte sich am Waschbecken ab, Schweiß trat auf ihre Stirn und ihr Kiefer verspannte sich, während die roten Fäden erneut unter ihre Haut drangen. Diesmal kam kein Laut, obwohl sie den Mund einem lautlosen Schrei öffnete und sich ihr Gesicht verzog. Erst als auch das zweite Projektil draußen war, sanken ihre Schultern kurz ab. Erneut stützte sie sich an die Wand im Bad und schloss für einen kurzen Moment die Augen, während sie sich in ihre eigene Wohnung wünschte. Danach desinfizierte sie beide Wunden und verband erst den linken Oberarm, dann den rechten Oberschenkel sauber und fest.
Als sie sich wieder aufrichtete, glänzten noch vereinzelte Schweißperlen an ihrer Stirn. Im Spiegel fiel ihr Blick auf ihr Kinn. Sofort war Antares’ Hand wieder präsent. Seine Finger, seine Unterstellung. Die Art, wie er ihre Wehrlosigkeit genutzt und ihre Reaktion auf Maisie als Schwäche gelesen hatte. Syrenas Mund wurde schmal. Nie wieder. Keine sichtbare Unsicherheit, keine Überforderung, die er gegen sie wenden konnte. Sie säuberte Waschbecken und Ablage, entfernte Blutreste und benutztes Material und warf das schmutzige Handtuch in den Wäschekorb. Keine Erinnerung an sie sollte hier zurückbleiben, genauso, wie sie dieses Ereignis für immer aus ihrem Kopf verbannen würde.

Noch bevor sie das Wohnzimmer erreichte, hörte Syrena Antares’ Stimme. Freundlich, leicht, warm. Beinahe verspielt. Als sie um die Ecke trat, saß er mit Maisie und einem Kartenspiel da. Emile lag bei ihr, ein Glas Wasser stand auf dem Tisch, und Maisie gluckste über irgendeinen Unsinn.
Syrena sagte nichts. Derselbe Mann, der ihr gerade noch ins Gesicht gepackt hatte, behandelte dieses Kind mit einer Geduld, die sie ihm nicht zugetraut hätte. Das machte ihn nicht sympathischer, es machte sein Verhalten ihr gegenüber nur persönlicher. Er konnte freundlich sein, bei ihr entschied er sich bewusst dagegen.
Und Maisies Lachen traf einen anderen Punkt in ihr. Vor wenigen Stunden war sie allein gewesen, hungrig und mit Menschen auf den Fersen, die sie wie eine Ware behandelten. Jetzt hatte sie eine Decke, Emile, Wasser, Karten und genug Sicherheit für ein kleines Lachen.
Dann erblickte Syrena die drei Nudelboxen. „Drei?“ Ihr Blick ging zu Maisie, dann zu Antares. „Hast du jemals zuvor ein Kind aus der Nähe gesehen?“ Ein süffisantes Lächeln folgte. „Oder hast du dich nur nicht getraut, mich zu fragen, ob ich auch etwas essen möchte?“
Maisie sah auf – und ihr ganzes Gesicht fing schier an zu leuchten. Einfach, weil Syrena wieder da war. Warum zur Hölle freute dieses Kind sich jedes Mal so, sie zu sehen? Die Wärme, die diese Reaktion in ihrer Brust auslöste, war fremd genug, dass Syrena sie am liebsten sofort zerlegt und entsorgt hätte.
„Du musst mir beim Essen helfen.“ Maisie hielt ihr die übrigen Essstäbchen hin. Syrena sah auf die Stäbchen, dann auf das Mädchen. Bereits beim Näherkommen wurde ihre Magie wieder schwächer. Gerade erst hatte sie erlebt, wie erleichternd ihre Rückkehr gewesen war. Nun ging sie freiwillig dorthin zurück, wo sie wieder verloren ging und ihr Magen zog sich unwillkürlich zusammen. Unsinn! Das Kind hatte seit zwei Tagen nichts Vernünftiges gegessen. Jemand musste schließlich sicherstellen, dass sie überhaupt etwas davon hinunterbekam. Und Lexingtons Vorstellung einer Kinderportion lag offensichtlich irgendwo zwischen Großfamilie und Hungersnot.

Die Hexe seufzte, setzte sich neben Maisie und nahm die Stäbchen. Das Rot unter ihrer Haut verschwand gänzlich, doch sie versuchte es zu ignorieren. „Du musst das nicht alles schaffen.“ Ihr Blick ging erneut zu dem Hexer, dann wieder zu Maisie. „Offenbar hat jemand hier die Ernährung eines zwölfjährigen Mädchens mit der Versorgung einer Footballmannschaft verwechselt.“
Vor zwei Stunden hatte sie noch einen Mann mit einem Müllcontainer erschlagen. Jetzt saß sie in Antares Lexingtons Loft, teilte gebratene Nudeln mit einem zwölfjährigen Mädchen und half ihm mit den Essstäbchen. Die ganze Szene war ihr auf eine schwer erklärbare Weise unangenehm und völlig absurd. Der Hexer rückte erneut in ihren Fokus. Zwei Stäbchen. Praktisch, eines für jedes Auge. Wenn ihre Magie hier nur funktionieren würde…

Die Hexe nahm ein paar Bissen aus der dritten Box, die sie für sich wie selbstverständlich öffnete und dabei den Hexer vollkommen ignorierte. Sie kaute bedächtig, die Nahrung tat nach ihrer Selbstoperation gerad verdammt gut.
Nach ein paar Bissen sah Syrena zu Maisie. So alltäglich das hier gerade wirkte, konnten sie den eigentlichen Grund ihrer Anwesenheit nicht ewig verschieben. „Wir sollten dir erklären, warum wir dich überhaupt mitgenommen haben.“ Ihre Stimme nahm automatisch jenen sachlichen Ton an, den sie sonst für unangenehme Vertragsklauseln benutzte. „Die Männer, denen wir heute begegnet sind, arbeiten für jemanden namens Gideon Ashcroft. Er sucht nach dir.“
Maisies Finger schlossen sich fester um die Box und ihre Augen wurden wieder größer. „Warum?“
Syrena atmete durch die Nase aus. Kindgerecht… wie zum Teufel machte man das?! „Wegen etwas, das du kannst. Etwas Magischem.“
Das Mädchen schüttelte energisch den Kopf und zog die Brauen zusammen. „Aber ich kann doch gar nicht zaubern, das gibt es doch nur im Märchen“, antwortete sie mit halbvollem Mund. „Nein, nicht nur im Märchen. Und du zauberst auch nicht, wie du vermutlich denkst.“ Syrena legte die Stäbchen kurz auf den Rand der Box und faltete ihre Hände ineinander, die Ellenbogen auf dem Tisch abgestützt, als wenn sie gerade begann eine Verhandlung zu führen. Ihr Gesicht war gerade mindestens genauso angestrengt.
„Wenn du in unserer Nähe bist, funktioniert unsere Magie nicht richtig. Je näher du bist, desto stärker wird es. Ashcroft weiß offenbar davon.“ Sie hielt den Blick der kleinen dabei um ihr zu verdeutlichen, dass sie es verdammt ernst meinte, vielleicht etwas zu fixierend, zu streng. „Wir wissen noch nicht genau, was er mit deiner Fähigkeit vorhat. Nur, dass Leute bereit sind, dich deswegen zu suchen und mit Gewalt mitzunehmen.“ Die machte eine kurze Pause, als sie registrierte, dass das Mädchen auf seinem Stuhl deutlich kleiner geworden zu sein schien. „Deshalb bleibst du vorerst hier. In Sicherheit.“ Dann sah Syrena zu Antares. Nicht freundlich, nicht versöhnlich – aber eindeutig genug, um ihm den Rest zu überlassen du ihm klar zu machen, dass die Sicherheit hier eine grundlegende Erwartung von ihr war.


RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 20.09.2026

Als er die Karten in seiner Hand umverteilte, fiel sein Blick auf sein schmerzendes Handgelenk. Es war ungewohnt, wenn nicht sogar fremd für ihn, Schmerzen über einen längeren Zeitraum aushalten zu müssen. Seine Magie sorgte für gewöhnlich innerhalb kürzester Zeit dafür, dass alles wieder so wurde, wie es vor einer Verletzung war. Nicht, dass er deswegen wagemutiger wäre. Aber es war gut zu wissen, dass Verletzungen bis zu einem gewissen Grad, für ihn keine nennenswerte Bedeutung hatten. Jetzt, da er sich aber in der Gegenwart des Mädchens befand, war diese Fähigkeit vollkommen weg. Die Stellen, an denen Syrena ihm ihre Fingernägel in die Haut rammte, brannten unangenehm und er sollte sie wohl auch in absehbarer Zeit desinfizieren und ausspülen. Nicht, dass sie Tollwut hatte. Unangenehmer als das Ziehen auf der Haut war aber das Wissen, dass er mit der Hexe russisch Roulette spielte. Der Impuls, aus der Wut heraus geboren, war nicht die beste Entscheidung, die er treffen konnte. Und doch war es ihre Arroganz, die es immer wieder schaffte, seine selbst auferlegte Barriere zu durchbrechen. Es war ihm scheißegal ob sie ihn hasste. Sie konnte ihn verabscheuen und all ihre dämlichen Sprüche, die sie scheinbar auswendig gelernt hatte, bei ihm anbringen. Sie konnte ihm auch mit ihren ständigen Nörgeleien ein Ohr abschmatzen. Das alles war ihm nicht wichtig. Seit er den einzigen Menschen verloren hatte die ihm etwas bedeutete, ließ Antares niemanden mehr an sich heran. Die Liebschaften, die er seither hatte, waren nur dazu da, die eigene Lust zu befriedigen. Von keiner der Frauen wusste er noch den Namen oder sah sie je wieder auch wenn hin und wieder es doch mal eine nochmal versuchte. Hier und da mal Eine aus dem Club mitnehmen oder es sich gegen Ladenschluss in einem der Separees gut gehen lassen. All das gehörte zum Alltag. Er merkte sich weder Namen noch sonst irgendwelche Details. Es war nicht mehr wichtig für ihn. Genauso wenig, wie er noch richtige Freundschaften besaß. Klar, waren da die Kollegen aus dem Club, mit denen man abhing, oder der ein oder andere Geschäftspartner, der zu den Besseren zählte und mit dem man auch mal über die Dodgers sprach. Doch das war alles an Nähe, die er noch erlaubte. Wer, wenn nicht er wusste nur zu gut, was es bedeutete, jemanden zu haben, der einen verletzlich machte.

Bestes Beispiel war ja die Kleine hier. Sogar das Mistvieh von Syrena wurde in ihrer Nähe handzahm. Beinahe menschlich. Und doch war ihre Arroganz ihm gegenüber unübertrefflich. Sie hasste ihn aus den falschen Gründen. Gründe, die sie nicht wissen konnte, weil er es nie jemandem anvertraute. Für das was er getan hatte, verdammte er sich bereits selbst, da hätte es diesen Fluch nicht auch noch benötigt. Die Hexe aber sah in ihm denjenigen der für Amys Untergang verantwortlich war. Und Newsflash! Das war er auch. Allerdings war er nicht derjenige, den sie nicht aufhören konnte und wollte, in ihm zu sehen. Sie verdammte ihn zu einem Leben als Katze und drehte sich danach nicht mal mehr um. Es war Zufall, dass sie sich heute wieder getroffen hatten, ansonsten hätte sie ihn schon längst vergessen. Und an ihrer vermaledeiten Moralpredigt von wegen was es bedeutete, über andere zu bestimmen, sollte sie ersticken. Nichts von dem was er bisher oder in der Vergangenheit tat, war schlimmer, als ihr Fluch. Aber Syrena war so verblendet von ihrer eigenen Arroganz, dass sie vermutlich nicht mal erkannte einen Fehler gemacht zu haben, wenn der Fehler sie in den Arsch biss. Nein, sie sollte ihn ruhig weiter hassen und ihn mit ihren dämlichen Sprüchen malträtieren. Ja, vielleicht suchte sie ihn sogar nochmal auf, wenn sie ihre Magie zurück hatte, weil ihr Stolz es nicht anders zuließ. Dann war er bereit. Aber sie wusste nun auch, er spurte nicht vor ihr, nur weil sie ihn verfluchte. Ihr ganzer Zorn und ihre Abneigung waren nichts im Vergleich zu dem, was er sich selbst in Bezug auf Amys Tod auferlegte. Sein Versuch sie zu retten, führte zu ihrem Ende. Und daher konnte ihn das Rumpelstilzchen, welches sich gerade in seinem Bad verarztete oder krepierte, noch so sehr verachten. Seine Verachtung sich selbst gegenüber würde sie nie erreichen. Und daher ging auch ihre Drohung ins Leere. Sollte sie diese wirklich durchsetzen, tja, dann tat sie ihm sogar einen Gefallen damit.
"Du hast mir noch nicht verraten, wer Amy ist."
Die zarte Stimme des Mädchens riss ihn aus seinen Grübeleien und Antares hob den Kopf. "Sie war eine Freundin von mir. Eine, die ich sehr gerne mochte. Aber sie war in Gefahr, ähnlich wie du. Ich wollte sie beschützen, doch das ist mir leider nicht gelungen." Maisie sah ihn so mitfühlend an, dass es dem Dunkelhaarigen beinahe unangenehm wurde. Er wusste, was sie empfand. Schließlich war es seine Magie. Sie erkannte, dass er die Wahrheit sagte und vermutlich empfang sie auch seinen Schmerz bei diesen Worten. Je nachdem wie viel sie von seinem Können übernommen hatte.
Daher zwang er sich zu einem Lächeln. "Dieses Mal klappt es, versprochen. Heute ist ja deine Freundin mit dabei und die schafft alles, was sie sich in den Kopf setzt."

Das Lächeln erstarb seinerseits, als besagte 'Freundin' in den Raum trat und natürlich wieder um sich keifte wie so ein kleiner Pinscher, der Komplexe bezüglich seiner Größe hatte. Syrena wirkte sauberer und leider auch irgendwie geheilter. Sie musste sich die Kugeln entfernt haben. Scheinbar war das Badezimmer weit genug von Maisie weg, dass dies möglich war. Die Augen bezüglich ihrem erneut dämlichen Kommentar verdrehend, schnappte er sich die Box mit dem gebratenem Hähnchen und begann sich ein Stück davon mit den Stäbchen heraus zu fischen. Wenn Maisie sein magisches Können, bezüglich der Empathie übernommen hatte, warum strahlte sie dann übers ganze Gesicht, wenn Syrena in der Nähe war? Konnte nur daran liegen, dass sie seine Magie nicht richtig einschätzen konnte. Ansonsten wäre sie schon in ihrer Wohnung zu einem der Fenster, die in den Hinterhof führten, auf und davongerannt.
Das Gebrabbel und Gemecker auf der anderen Seite des Tisches, ignorierte der Hexer gänzlich und konzentrierte sich auf sein Abendessen. Oder verfrühter Mitternachtssnack? Egal wie man es nannte, er stellte nicht nur wieder einmal fest, warum er den Flyer dieses Lieferservices am Kühlschrank hängen hatte, er genoss es auch voll und ganz, wieder er selbst zu sein. Zwar ohne Magie aber auch ohne den Fluch. Sollte Syrena doch so tun, als wäre sie nett zu dem Mädchen.
Erst als diese anfing, zu erklären was Sache war, horchte er aufmerksamer zu. Beinahe hätte er sich an einem der Stückchen verschluckt. Zu ihm sagen, er konnte nicht mit Kindern umgehen. Aber das was Madame hier gerade tat war ja umso vieles Besser. Kalte, ungeschönte Fakten mitten rein in das Gesicht der Zwölfjährigen. Nein, das war sicherlich bei weitem nicht so schlimm, wie sein Fauxpas mit den Nudelboxen. Vor allem weil sie ja gerade im Duett diese Erklärung übernahmen, wie sie einleitend anklingen ließ. Aber Antares schwieg. Sollte Maisie bitte ihre Rotznase auch an Syrena abwischen. Und obwohl er weiterhin so tat, als wäre der Inhalt der Box wichtiger, war seine Aufmerksamkeit bei dem, was die Hexe erzählte.
Gegen Ende ihrer Erklärung, die das Einfühlvermögen einer Abrissbirne besaß, saß ein Häufchen Elend auf dem Sofa. Natürlich aß Maisie auch nichts mehr und das Faultier war wieder näher zu ihr heran gerückt. Mehr noch, sie hielt es nun fest umklammert. Jap! Er war derjenige, der hier kein Gespür für Kinder hatte. Als Antares aufsah, zog er nur eine Augenbraue in die Höhe. 'Echt jetzt?' Aber noch immer kam kein Kommentar diesbezüglich über die Lippen.
Stattdessen versuchte er irgendwie zu retten, was noch zu retten war. Mit sehr viel mehr Einfühlvermögen in der Stimme wandte er sich der Zwölfjährigen zu. "Deine Freundin hat Recht. Deine Fähigkeiten sind für viele Leute sehr wertvoll. Leute, die damit schlimme Dinge tun wollen. Aber Syrena hat auch diesbezüglich Recht, dass du hier in Sicherheit bist. Jetzt iss noch ein bisschen was, hm?"
Seinen Kopf hebend, suchte er Blickkontakt mit Syrena. Klar, wenn es darum ging, dass etwas wirklich erledigt werden musste, war er wieder recht. Außer Sprücheklopfen war von ihrer Seite ja noch nicht viel gekommen. "Für heute Nacht kann sie hierbleiben, aber was dann? Vielleicht schaffen wir es auch sie noch eine weitere Nacht zu verstecken. Ich habe Kontakte in der Stadt. Maisie ist nicht das erste Kind, welches wir aus diesem elenden Schmugglerring befreien. Die Anderen waren aber noch nicht so heiß, als wir sie versteckten und vor allem waren deren Fähigkeiten nicht so wertvoll. Meine Kontakte werde ich in diese Angelegenheit nicht mit hineinziehen. Außerdem gibt es in der ganzen Stadt keinen Ort, an dem sie für längere Zeit sicher ist. Sie muss weiter weg."


RE: old grudges & nine lives - Syrena Blackwell - 21.09.2026

Ach kommt schon! Was sollte wieder diese Augenbrauen-Kirmes?! Was war denn die Alternative? Dem Mädchen einfach nichts zu sagen?! Hätte man sie in dem Alter so mit Samthandschuhen angepackt, wäre aus ihr nicht mal annähernd eine so erfolgreiche Pianistin und Hexe geworden! Natürlich entging Syrena auch Maisies Reaktion auf ihre eigene Erklärung nicht. Das Mädchen hatte Emile wieder enger an sich gezogen, die Nudelbox auf ihren Knien kaum noch beachtet und wirkte mit jeder weiteren nüchternen Information ein bisschen kleiner. Großartig. Einmal sprach man mit einem Kind so, wie man mit jedem vernünftigen Erwachsenen sprechen würde, und schon sah es aus, als hätte man ihm persönlich den Weltuntergang angekündigt. Syrena seufzte, verzog kaum merklich den Mund und warf Antares lediglich ein „Spar dir den Blick“ zu. Leider war ihr vollkommen klar, was er damit hatte sagen wollen – und ja, es war nicht kindgerecht gewesen, wie sie mit ihr gesprochen hatte. Doch war es sinnvoller, sie in Watte zu packen, auf dass sie möglichst wenig widerstandsfähig wurde? Tate man ihr damit schlussendlich einen Gefallen? Nein, das fand die Hexe nicht. Dennoch schloss sie für einen Bruchteil ihre Augen um sich noch einmal zu sammeln und ihr ihre Gedanken nicht eins zu eins so um die Ohren zu haben.
„Du musst heute nicht alles davon verstehen.“ Ihre Stimme blieb fest, verlor aber etwas von jener kühlen Sachlichkeit, mit der sie normalerweise Vertragsklauseln oder Risiken auseinandernahm. „Wichtig ist nur, dass wir nicht zulassen, dass diese Leute dich bekommen.“ Das war einfacher, konkreter. Offenbar weniger geeignet, einem zwölfjährigen Mädchen den Appetit endgültig zu verderben.

Dass Antares sie anschließend schon wieder als Maisies Freundin bezeichnete, nahm die Hexe nur noch nebenbei wahr. Sie wusste mittlerweile, dasss er dieses Wort inzwischen eindeutig vorsätzlich benutzte. Normalerweise hätte sie den Unsinn augenblicklich korrigiert, doch diesmal schwieg sie. Maisie war ohnehin verunsichert genug und hing längst mit einer Hartnäckigkeit an ihr, die Syrena noch immer nicht verstand. Also bekam Antares lediglich einen schmalen Blick.
Dann hob sich einer ihrer Mundwinkel. „Wo wir gerade bei Freundinnen sind: Du schuldest Maisie übrigens noch eine Erklärung.“ Sie nahm einen weiteren Bissen und sah erst danach scheinbar beiläufig zu dem Mädchen. „Über Amy.“ Maisie blinzelte. „Er hat es mir schon erzählt.“ Syrenas Stäbchen verharrten einen Moment über der Box. Nur einen Herzschlag lang, doch genug, dass der kleine Triumph, auf den sie sich bereits gefreut hatte, abrupt verpuffte. Verdammt, sie war zu lange im Bad gewesen. Dieser verfluchte Bastard… was hatte er ihr erzählt? Langsam hob sie den Blick zu Antares. „So, hat er das?“ Die Süffisanz war verschwunden. Dafür trat etwas wesentlich Aufmerksameres an ihre Stelle. Er war dem Thema also immerhin nicht ausgewichen. „Und was genau hat er dir erzählt?“ Natürlich fragte sie Maisie und nicht ihn.

Das Mädchen sah kurz zu Antares, dann wieder zu ihr. „Dass Amy seine Freundin war. Und dass er sie sehr gerne mochte.“ Bereits dabei spannte sich Syrenas Kiefer leicht an. Maisie sprach weiter. „Und dass sie in Gefahr war. So wie ich.“ Die Aufmerksamkeit der Hexe schärfte sich mehr. „Er wollte sie beschützen. Aber es hat nicht geklappt.“ Bitte was?! Das hatte er ihr nicht erzählt! Er, dessen Schuld es gewesen war, dass sich ihre Cousine vor Trauer, Selbstvorwürfen und Gram irgendwann in ihrer eigenen Magie aufgelöst hatte?! Innerlich zählte Syrena bis zehn, was ihr gerade unglaublich schwerfiel. Doch es half ihr, ihm zumindest nicht sofort an die Gurgel zu springen.
„Beschützen?“ Das Wort kam leise, fast gefährlich ruhig. Für einen Augenblick war das Essen vergessen. Syrenas Blick ruhte vollständig auf Antares. Das war also seine Version. Nicht Betrug. Nicht Amy, die ihn mit einer anderen Frau erwischt hatte. Nicht der Schmerz, den er ihrer Cousine zugefügt hatte, nein. Offenbar hatte er sie beschützen wollen. Wie bequem und feige konnte man eigentlich sein?
„Eine bemerkenswert großzügige Auslegung dessen, was damals passiert ist.“ Sy schnaubte und nahm wieder einen Bissen, auf dass nicht noch mehr aus ihr herausplatzte.
Maisie zog die Brauen zusammen. „Aber er war traurig, als er davon erzählt hat.“ Syrenas Blick hob sich wieder zu ihr, während sie sich noch über ihre Nudel-Box gebeugt hatte und langsam kaut. Die Wut galt nicht Maisie, und genau deshalb zwang sie ihre Stimme ruhig zu bleiben. Langsam schluckte sie das Essen, was nicht annähernd etwas mit Haute Cuisine zu tun hatte, herunter.
„Man kann etwas bereuen und trotzdem dafür verantwortlich sein.“ Daraufhin erklang ein trockenes Knacken und die Hexe sah hinunter. Die beiden Essstäbchen waren in ihrer Hand mittig gebrochen. Für einige Sekunden betrachtete sie die zwei nutzlosen Hälften, bevor sie sie sehr kontrolliert auf den Rand der Box legte. Danach sah sie wieder zu Antares und ihr Blick sprach Bände. Darüber sprechen wir später. Dass sie überhaupt darüber sprechen würden, stand bereits fest. Seine Formulierung hatte sich in ihrem Kopf festgesetzt, ob sie wollte oder nicht. Ich wollte sie beschützen. Sie glaubte ihm kein Wort. Trotzdem war es das erste Mal, dass seine eigene Darstellung dessen, was mit Amy geschehen war, nicht vollständig mit dem Bild übereinstimmte, das Syrena seit Jahren von ihm hatte. Nur machte eine andere Version sie noch lange nicht wahr. Vielleicht brauchte Lexington inzwischen einfach eine Geschichte, in der er selbst weniger erbärmlich dastand. Und allein das reichte, um ihre Wut noch unangenehmer zu machen.

Seine Frage, was nach dieser Nacht geschehen sollte, brachte sie zurück zu etwas, das sich wenigstens lösen ließ, ohne vier Jahre alte Wunden aufzureißen. „Dass sie hier nicht länger bleiben kann, ist offensichtlich.“ Ashcroft hatte Mittel besessen, Maisie zu finden. Niemand konnte wissen, ob die Resonanzmünze das einzige davon gewesen war. Vermutlich wäre es sogar ausgesprochen naiv, davon auszugehen. Dann sagte Antares, Maisie sei nicht das erste Kind, das sie aus diesem Schmugglerring befreiten.
Syrena hob langsam den Kopf. „Wir?“ Mehr sagte sie zunächst nicht. Fügten sich die bisherigen, leicht chaotischen Puzzleteile in ihrem Kopf doch noch zu einem klareren Bild zusammen? Hatte sein Wissen über verschwundene Kinder, etwa etwas mit Joshua und Carlos zu tun? Oder mit diesem versteckten Rückzugsort, dem Waffenarsenal? Immerhin erklärte es zumindest diese irritierende Selbstverständlichkeit, mit der er Maisie behandelte. Als wäre ein verängstigtes Kind in seiner Nähe zwar ungewöhnlich, aber keineswegs vollkommen fremdes Terrain. Natürlich.
Doch wenn der Barkeeper mit den dubiosen Geschäften tatsächlich nebenbei Kinder aus solchen Verhältnissen holte, ließ sich auch dafür eine ausgesprochen bequeme Erklärung finden: Gewissenserleichterung. Lexington musste sich wahrscheinlich nur oft genug zum Retter machen, bis er selbst daran glauben konnte, bei Amy ebenfalls einer gewesen zu sein. Der Gedanke machte ihn in Syrenas Augen keinen Deut weniger heuchlerisch, im Gegenteil. In diesem Moment fand sie ihn so abstoßend, dass ihr beinahe die Nudeln wieder hochgekommen wären. Trotzdem wusste selbst sie, dass es ausgesprochen unklug wäre, ihm diese Dinge vor Maisie an den Kopf zu werfen.

Als Antares erklärte, die anderen Kinder seien nicht annähernd so stark gesucht worden und ihre Fähigkeiten weniger wertvoll gewesen, glitt Syrenas Blick wieder zu Maisie. „Weil Ashcroft weiß, was sie kann.“ Einen Moment dachte sie weiter und ihre Miene verhärtete sich. „Oder weil längst jemand dafür bezahlen will.“ Der Gedanke gefiel ihr nicht denn für Männer wie Ashcroft war Maisie keine Zwölfjährige mit einem Stofftier auf dem Schoß.
Dass Antares seine bisherigen Kontakte deshalb nicht in diese Sache hineinziehen wollte, quittierte Syrena trotz ihrem inneren Groll diesmal ohne Spott. „Ausnahmsweise sind wir uns einig. Wenn jemand deine üblichen Wege kennt oder nachvollziehen kann, machen wir damit nur noch mehr Leute zu Zielen.“ Ihr Blick, mit dem sie den Hexer nun fixierte, bekam etwas Misstrauisches.
Das wir hatte sie keineswegs vergessen. Wer gehörte dazu? Seit wann? Wie viele Kinder? Wohin brachte er sie normalerweise? Wer half ihm? Was wusste er tatsächlich über diesen Schmugglerring und wie tief reichte seine Verbindung zu all dem? Der Hexe wurde fast schwindelig bei den ganzen neuen Informationen, doch sie zwang sich dazu, sie weiter sortiert zu halten.

Syrena lehnte sich etwas zurück, bevor sie sich ihr dunkles Haar aus dem Gesicht strich. „Sie muss auf jeden Fall weiter weg.“ Indirekt hatte sie Antares gerade zugestimmt, auch, wenn sie es niemals so formulieren würde. Nach einer kurzen Pause fuhr sie fort. „Nicht nur aus der Stadt.“ Los Angeles war zu nah. Kalifornien möglicherweise ebenfalls. Wenn Ashcroft tatsächlich über ein Netzwerk verfügte, brauchte Maisie keinen besseren Unterschlupf, sondern Distanz. Echte Distanz.
Syrenas Gedanken begannen sofort Möglichkeiten gegeneinander abzuwägen. Wolfram & Hart hatte Niederlassungen, Kontakte, Reisewege und Menschen, die Dinge organisierten, ohne überflüssige Fragen zu stellen. Sie musste Maisie nicht der Kanzlei übergeben, um einzelne Strukturen davon zu benutzen. Schon die Vorstellung, Ashcroft könnte innerhalb der Stadt weiterhin nach ihr suchen, während das Mädchen längst außerhalb seiner üblichen Reichweite war, hatte ihren Reiz.
Doch dann kam der Hexe ihre alte Bekannte wieder in den Sinn. Dhakiya war als Lehrmeisterin von ihrer Mutter hinzugezogen worden und dank der Voodoo-Priesterin hatte Syrena damals ein Faible für die Nekromantie entwickelt. Ob sie immer noch in São Paulo lebte? Sie telefonierten nur sporadisch, doch insgeheim hatte die Hexe immer noch eine enge Bindung zu ihr – und Dhakiya wusste das.
„Vielleicht kann ich sie aus Kalifornien herausbringen.“ Syrena hielt kurz inne und blieb zunächst vage. Immerhin musste sie sie erst einmal erreichen. „Vielleicht auch noch weiter.“ Maisie sah zwischen ihnen hin und her und drückte Emile noch immer dicht an sich. Ein anderer Punkt ließ sich allerdings nicht einfach übergehen. Syrena richtete sich wieder an Maisie. „Und ich verspreche dir, dass wir herausfinden, was mit deinen Eltern passiert ist.“ Keine falschen Versprechen und erst recht keine Behauptung, dass sie noch lebten. Jetzt, da Syrena allerdings von den anderen Kindern wusste, stellte sich ohnehin eine neue Frage: Was war bei denen mit den Eltern passiert? Doch auch die musste warten. Maisie hatte heute schon genug Dinge gehört, die kein zwölfjähriges Mädchen jemals hätte hören müssen.

Syrenas Blick fiel wieder auf die Nudel-Box des Mädchens, die noch nicht ganz leer war. „Heute Nacht nimmt dich niemand irgendwohin mit.“ Der Satz kam ruhig und endgültig. „Und jetzt wenigstens noch ein paar Bissen.“ Sie schob Maisie die Box etwas näher und warf Antares einen trockenen Blick zu. „Sonst war seine beeindruckende Vorstellung von Kinderernährung endgültig für nichts.“ Sie zwinkerte und nickte ihr gleichzeitig zu… und… war so etwas wie ein warmes Lächeln, was sie ihr zuwarf? Blödsinn!
Immerhin richtete sich Maisies Aufmerksamkeit damit wieder ein wenig auf das Essen. Syrena betrachtete ihre gebrochenen Stäbchen und entschied, dass sie heute offenbar genug davon gehabt hatte. Als sie die Hände zurückzog, fiel ihr Blick auf Antares’ Handgelenk. Die halbmondförmigen Spuren ihrer Fingernägel zeichneten sich noch deutlich auf seiner Haut ab. Ein kleiner Anflug von Genugtuung durchzog sie. Immerhin hatte er sich eine Erinnerung an seine brillante Idee behalten. Mitleid verspürte sie keines. Syrena faltete die Hände vor sich. Kontrolle war leichter, sobald aus Chaos einzelne Schritte wurden. „Gut.“ Ihr Blick traf Antares. „Ich werde morgen früh einen jemanden anrufen. Dort ist es jetzt vier Stunden später.“ Dhakiya würde sie verfluchen – hoffentlich nicht in Echt. Die Voodoo-Priesterin war eine Legende unter den Hexen von Louisiana, wo Syrena auch zum ersten Mal auf sie getroffen war. Und sie wusste, dass Dhakiya mit einem Mädchen wie Maisie umgehen konnte, ohne ihre Gabe darauf zu reduzieren, welchen Nutzen man daraus ziehen konnte. Auch bei Sy war es ihr um die persönliche Entfaltung gegangen – ein völliger Gegensatz zu ihrer Mutter damals. Sie würde Maisie weder an einen Kinderschmugglerring, noch an Wolfram & Hart ausliefern. Sie hatte ihre beinharten Prinzipien, worüber die Hexe gerade jetzt fast erleichtert war.


RE: old grudges & nine lives - Antares Lexington - 21.09.2026

Hatte man Syrena eigentlich schonmal gesagt, dass sie zu unfairen Tendenzen neigte? Egal was er tat, und wenn er nur gleichmäßig dasaß und atmete, wurde das von ihr abfällig kommentiert. Wenn er aber nach ihrer vernichtenden Rede allen Grund dazu hätte, sich entweder vor Lachen wegzuwerfen, weil sie wieder einmal bewiesen hatte, ein Stein hatte mehr Einfühlvermögen als diese Hexe, oder vom Kopfschütteln beinahe Genickstarre zu bekommen, weil er nicht fassen konnte, mit welcher Kälte sie dem Mädchen gegenüber begegnete, bekam er einen vernichtenden Blick. Die Wahrheit zu sagen und sie damit regelrecht zu zermörsern waren zweierlei Dinge. Aber davon hatte das Wesen da auf dem Sofa keine Ahnung, die nur etwas empfand, wenn sie ihre Hand in einen Topf mit kochend heißem Wasser tauchte. Mitleidig sah Antares stattdessen Maisie an, da er Madame ja scheinbar nicht mal anblicken durfte. Die Zwölfjährige tat ihm so leid. Niemand hatte solch grausame Einschnitte in seinem Leben verdient und noch dazu in einem jungen Leben und noch obendrauf, wenn dieses ganz offensichtlich bereits von Entbehrungen geprägt war. Doch wer war er schon der superschlauen Hexe klar zu machen, dass sie jetzt auch ausholen könnte und Maisie eine schallende Ohrfeige hätte geben können. Der Effekt war der Gleiche. Aber er wusste diesbezüglich ja nichts. Dies wurde Syrena schließlich nicht müde, immer wieder zu betonen. Sie hatte alles in Griff. Sie gab an, wie die Dinge getan wurden. Das dabei ausgerechnet das Mädchen unter die Räder kam, welches aus unerfindlichen Gründen zu ihr aufsah, ja, sie regelrecht anhimmelte, schien diese nicht einmal zu bemerken. Vermutlich bemerkte sie auch die Zuneigung von Maisie nicht. Oder tat es vielleicht und verabscheute diese Art der freundlichen Gefühlsregung. Einen kurzen Moment hoffte der Dunkelhaarige, dass die etwas Jüngere vielleicht sogar davon schmelzen könnte. Wie die böse Hexe des Ostens, die man mit Wasser besiegen konnte. Was wenn Liebe und Zuneigung bei Syrena den gleichen Effekt hatte? Oh, er würde sie auf der Stelle vergöttern.

Und ja, er erwähnte ihren Namen gerne in Zusammenhang mit dem Begriff der Freundin. Sicherlich nicht ohne besagte Hexe damit negativ zu triggern, der Hauptgrund aber war, oh Wunder! Maisie. Eine Freundin zu haben, war für diese gerade fundamental wichtig. Klar, dass Syrena das nicht begriff, aber dafür war ja er hier. Das diese ihm bei dieser Gelegenheit nicht wieder den Mund verbot, zeigte zumindest von ihrer Lernfähigkeit. Ganz vielleicht war ihr auch selbst aufgefallen, wie schrecklich Maisie ihre Erklärung aufgenommen hatte. Das arme Faultier in ihrem Arm, litt seither nämlich schon wieder an akutem Sauerstoffmangel.
Und klar, dass das Trampeltier nun weiter über die Scherben tanzte. Sie konnte nicht einfach in Ruhe ihre Nudeln essen und nur mal für zehn Minuten ihre Klappe halten. Wurde Syrena in ihrem Beruf eigentlich nach Worte bezahlt? Dann würde es noch einen geringfügigen Sinn machen. Die Alternative war, dass sie sich schlichtweg nur gerne selbst beim Reden zuhörte.
Kurz blieb das Hühnchenstück auf halber Höhe zwischen seinem Mund und der Box hängen, als er die Essstäbchen nicht weiter bewegte. Antares machte Maisie keinen Vorwurf. Sie war zu naiv um die Tragweite zu erkennen und wusste nichts von seiner Vergangenheit. Außerdem wollte sie ihrer Freundin gefallen. Diese nutzte das natürlich schamlos aus und fragte weiter. Kurz nickte der Dunkelhaarige, als ihn der Blick des Mädchens traf. Er hatte nichts zu verbergen und schließlich interessierte Syrena sich ja ohnehin für nichts, was ihn betraf. Was sich allerdings schlagartig änderte, als sie seinen Bericht mit den kindlichen Wortend er Zwölfjährigen hörte. Langsam, ohne Hast und vor allem frei von Reue oder gar Scham, wanderte sein Blick weiter zu dem von Syrena. "Was? Dachte du bist allwissend?" Und war das vorhin noch halb im Scherz gemeint, wenn man bei der Hexe von so etwas überhaupt sprechen konnte, troff es nun vor Sarkasmus. Sie hatte nie gefragt und er nie etwas gesagt. Und seit wann interessierte sie das? Seine unausgesprochene Frage wurde dann auch schon wieder von der Abrissbirne der Emotionen beantwortet. Natürlich ging sie von ihrer Version aus. Diejenige, die alle Welt kannte. Und obwohl Antares nun selbst die Zähne so fest aufeinander biss, dass man sehen konnte wie sich seine Wangenknochen etwas anhoben, schwieg er. Genau diese Version blieb auch die Offizielle. Unter Folter würde er der hier anwesenden Hexe nicht die Wahrheit erzählen. Sollte sie ihn weiterhin hassen und verabscheuen. Ihren Fluch nahm sie auch nicht zurück, wenn sie wüsste, warum er so gehandelt hatte, wie er es tat. Denn sie sah in ihm den Bösewicht in dieser Geschichte. Und damit konnte und würde Antares weiterleben können. Lieber hasste sie ihn und er musste sich nicht weiter damit auseinander, alsdass er ihr am Ende, Gott bewahre, die Wahrheit erzählte.
Als Maisie meinte, er war traurig, als er von Amy erzählte, blickte der Dunkelhaarige zu dem Mädchen und konnte sich gerade noch ein hörbares Ausatmen verkneifen. Es war nicht gerade angenehm, wenn jemand anderes ihn lesen konnte, wie ein offenes Buch. Für gewöhnlich war das andersherum und er hatte dies zeitlebens zum Vorteil genutzt. Zu wissen ob der Gegenüber tatsächlich furchtlos war oder nur ein guter Schauspieler, war eine solide Basis. Jetzt aber selbst auf dem Seziertisch zu liegen, fühlte sich nicht so prickelnd an. Allerdings konnte er Maisie keinen Vorwurf machen. Sie hatte zum Einen seine Fähigkeiten nicht absichtlich gestohlen und zum Anderen konnte sie damit nach der kurzen Zeit wahrlich noch nicht sensibel genug umgehen. Wobei er sich eingestehen musste, sie machte ihr Sache wirklich gut. Wenn man mal überging, wem sie hier diese sensiblen Informationen zuspielte.

Als Syrena mit ihrer bekannten und einfach nur lächerlichen Art darauf reagierte, sah Antares sie schweigend an. Anwältin war wahrlich nicht der richtige Beruf für sie. Sprengmeisterin wäre der wohl sensiblere Job. Aber gut, was erwartete er auch von jemandem, die einen Stein anstelle eines Herzens hatte? Als sie ihm dann nonverbal klarmachen wollte, später darüber zu sprechen, schüttelte der Hexer nur mit dem Kopf. Eher küsste er eine Kröte auf den Hintern, bevor er ihr auch nur ein Wort seiner wahren Beweggründe verriet.
Zum Glück, oder sollte man sagen zu Maisies Vorteil, schwenkten sie wieder auf ein Thema um, welches zu ihren Gunsten war. Wenngleich auch jetzt wieder dieser unterschwellige Ton in der Stimme der Hexe lag, als sie so tat, als könnte sie nicht glauben, dass er noch etwas anderes tat als Cocktails mixen. Achso halt, er vergaß. Sie hielt ihn genau für so jemanden. Die eigenen Moralvorstellungen krebsten irgendwo auf Höhe der Kanalisation herum aber immer noch mit Dreck nach Anderen werfen, darin war Syrena wahrlich geübt darin. "Und zu deiner großen Bestürzung kann ich dir sagen, dass dein Fluch dabei sehr hilfreich ist." Bestätigte er daher nur mit diesen wenigen Worten und ließ die Brünette in ihrem eigenen Saft schmoren. Erschreckenderweise waren sie sich aber größtenteils einig, wenn es darum ging, die Zwölfjährige in Sicherheit zu bringen. Die Stadt kam nicht in Frage und was den County anging, musste er sich leider auf Syrena verlassen, inwieweit der Einfluss dieses Ashcroft war. Wenn Antares raten müsste, sehr weit. Da würde es vermutlich auch nicht ausreichen, sie in Kalifornien zu verstecken. Und als hätte Syrena nun die Begabung gelernt, Gedanken zu lesen, sprach sie genau das nun aus. Der Dunkelhaarige schwieg, was in ihrer Beziehung so etwas wie eine Zustimmung war. "Die Münze muss zerstört werden." Kein Befehl, darauf reagierte Syrena ja ohnehin nur wieder mit Stresspusteln, sondern eine einfache Feststellung. "Damit niemand mehr die Signatur von Maisie aufnehmen kann." Das musste nicht jetzt sein, da sie in der Gegenwart des Mädchens ohnehin ihre Kraft verloren hatte aber sobald ein möglicher Fluchtversuch anlaufen würde. Und ja, Antares war durchaus gewillt, jede mögliche Gewalt einzusetzen um sie Syrena aus den Fingern zu reißen, sollte diese anderer Meinung sein. Aber dies wurde nicht jetzt vor dem Kind diskutiert. Ein kurzer Blick zu seiner Gegenüber sollte genügen, damit diese wusste, wie ernst es ihm mit dieser Feststellung war.
Während Syrena dachte, wollte Antares dieses seltene Naturphänomen nicht unterbrechen und angelte sich nochmal eines der letzten Hühnchenstücke aus der Box. Aufmunternd sah er zu Maisie hinüber, zog eine Grimasse und versuchte die Kleine so etwas aufzumuntern. Er tippte sich mit den Fingern gegen die Schläfe, was dieses Mal ausnahmsweise nicht heißen sollte, jemand war verrückt, sondern er wollte verdeutlichen, dass Syrena nachdachte. Hatte er Maisie doch eben noch versichert, wenn diese sich was in den Kopf setzte, geschah es auch. Er fühlte sich so hilflos, nicht zu wissen, wie es der Gegenüber ging. So fühlte sich das also für normale Menschen an? Kein Wunder, dass diese sich nicht verstanden und so oft aneinander vorbei redeten. Auch Maisie tat ihm jetzt nur den Gefallen und lächelte kurz.

Seufzend verspeiste er sein Abendessen und sah dann wieder zu Syrena hinüber, die ihre Stimme wiederfand. "Nicht vielleicht." Es war keine Drohung. Keine Abwertung. Eines der wenigen Male, in der er mit ihr Übereinstimmte und von einer Anwältin mit solch einflussreichen Kontakten und einer Person, die ein Vielleicht auch von seiner Seite aus nicht akzeptiert hätte, erwartete Antares keine Antwort, die ein Vielleicht beinhaltete. Es sollte ein Ansporn für die Jüngere sein aus dieser möglichen Lösung etwas zu machen, dass sich baldmöglichst umsetzen ließ.
Wobei er im nächsten Moment glaubte, in den Hühnchenstücken war irgend eine verbotene Substanz drinnen. Hatte er gerade einen Hirnschlag erlitten oder lächelte Syrena da etwa? Die Beleidigung in seine Richtung, ging dabei vollkommen unter, so beeindruckt war er von dem, was er hier sah. War das Syrenas menschlicher Zwilling oder was passierte hier gerade?
"Wow..." Murmelte er leise und ehrlich beeindruckt. Das er das noch erleben durfte. Er war Zeuge eines einmaligen Ereignisses geworden. Nicht nur, dass sie dem Mädchen eben zusicherte in Erfahrung zu bringen, wo die Eltern waren, wo Madame doch bis vorhin noch der Meinung war, dies wäre ein vernachlässigbares Thema. Nun auch noch das!
Da dauerte es sogar einen Moment, bis ihm ihr nun wieder gewohnt vernichtender Blick auffiel, der auf seinem verletzten Handgelenk lag. Russisch Roulette, kam es ihm wieder in den Sinn. Und dennoch bereute er seine Tat von eben keinesfalls.
Nickend stimmte er ihrem Vorschlag zu, das morgen Früh der Anruf gemacht wurde, der über Maisies Schicksal entschied. Das sie heute Nacht hierbleiben würde, war ihm klar und ihm stand eine Nacht auf dem Sofa bevor. Aber ja, er war bereit dieses Opfer zu bringen, selbst wenn er nicht in der Gestalt eines Katers hier nächtigen würde.
Und ganz offensichtlich waren die beiden Erwachsenen kurzzeitig mehr damit beschäftigt gewesen, sich mit Blicken zu erdolchen, denn es war Maisie, die sich mit dem Stofftier unter den Arm geklemmt, die Nudelbox in der einen Hand und in der Anderen die Stäbchen ausbalancierte zum Fenster wandte. "Seht ihr das auch?" Vor der Scheibe saß eine Taube, die ins Zimmer blickte. "Als würde sie mich anstarren." Und als Maisie den Kopf zur Seite neigte, tat die Taube es ihr gleich. "Schaut mal!" Gluckste sie. Der Einzige, der das nicht so lustig fand, war Antares. "Das... das ist bestimmt nur Zufall. Vielleicht ist sie aus einem Zirkus weggeflogen." Doch das Mädchen neigte den Kopf nun in die andere Richtung und auch jetzt folgte das Tier ihren Bewegungen.